Profil:José Ramos-Horta

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Profil: José Ramos-Horta bei einer Pressekonferenz nach dem Wahlsieg.

José Ramos-Horta bei einer Pressekonferenz nach dem Wahlsieg.

(Foto: Valentino Dariel Sousa/AFP)

Der Widerstandskämpfer, Menschenrechtsanwalt und Friedensnobelpreisträger ist aus der Rente zurückgekommen - und hat in Osttimor die Präsidentenwahl gewonnen. Was er jetzt plant.

Von David Pfeifer

Man kann wohl heute schon sagen, dass José Ramos-Horta sein Leben seinem Land gewidmet hat. In dieser Woche wurde er mit sehr großer Mehrheit wieder zum Präsidenten von Osttimor gewählt. Nun wird er noch mindestens fünf weitere Jahre lang zur Arbeit gehen, wie eigentlich seit 50 Jahren schon.

Der 72-jährige Ramos-Horta hatte sich aus dem Ruhestand zurückgemeldet, um den amtierenden Präsidenten abzulösen. Er habe sich gezwungen gefühlt, da Francisco "Lú Olo" Guterres, ein ehemaliger Guerillakämpfer "seine Befugnisse überschritten" habe, sagte Ramos-Horta der Nachrichtenagentur Reuters. Guterres hatte sich nach den Parlamentswahlen 2018 geweigert, einige Minister zu vereidigen.

Nun erhielt Ramos-Horta exakt 397 145 Stimmen von 860 000 Wahlberechtigten in dem kleinen Inselstaat mit 1,3 Millionen Einwohnern - 62 Prozent. Dass er das Amt zum 20. Jahrestag der Unabhängigkeit Osttimors von Indonesien antreten möchte, ist Symbol für seinen doppelten Sieg. Denn auch die Unabhängigkeit hat er damals miterstritten.

1949 wurde José Ramos-Horta in Dili geboren, der Hauptstadt Osttimors, das ganz unten im Süden Indonesiens liegt, auf halbem Seeweg nach Australien. Sein portugiesischer Vater war Unteroffizier der Marine gewesen und nach einer Meuterei auf die Insel verbannt worden. Auch der junge Ramos-Horta wurde 1970 von der portugiesischen Kolonialmacht aus seinem Land deportiert, weil er gegen die Diktatur dort rebelliert hatte. Seine Schwester starb bei einem Luftangriff, und ein Bruder bei einem Polizeiverhör. Ein weiterer Bruder von seinen insgesamt elf Geschwistern verschwand spurlos.

Die Pandemie hat der ohnehin schwächelnden Wirtschaft Osttimors schwer geschadet

Ramos-Horta studierte Völkerrecht in Den Haag und setzte sich bereits aus dem Ausland für seine Heimat ein, vor allem gegen die Besatzung durch das benachbarte Indonesien. 1996 brachte ihm das den Friedensnobelpreis ein. 2006 wurde er Premierminister, und von 2007 bis 2012 war er schon einmal Präsident. Bei einem Attentat 2008 wurde drei Mal auf ihn geschossen, als er auf dem Rückweg zu seiner Residenz in einen Hinterhalt von Rebellen geriet. Ramos-Horta wurde dabei schwer verwundet, eine Kugel traf seine Lunge. Zwei Monate später nahm er die Amtsgeschäfte wieder auf.

Auch dass er nun noch einmal angetreten ist, kann man José Ramos-Horta als Dienst an seinem Land anrechnen. Die Pandemie hat der ohnehin schwächelnden Wirtschaft Osttimors schwer geschadet. Mehr als 40 Prozent der Bevölkerung leben laut einem Bericht der Weltbank unterhalb der Armutsgrenze. Die Probleme vergrößern sich jetzt noch durch den Abriss von Lieferketten im Zuge des Kriegs Russlands gegen die Ukraine und die Abkapselung Chinas aufgrund der Pandemie. "Natürlich bekommen wir das auch hier in Osttimor zu spüren. Die Ölpreise sind gestiegen, Reis ist teurer geworden, das ist die Realität in der Welt. Das erfordert eine kluge Führung", sagte Ramos-Horta nach seinem Sieg.

Vor der Wahl hat er allerdings auch gesagt, dass Osttimor im Falle seiner Präsidentschaft ein "politisches Erdbeben" zu erwarten habe und dass er in Erwägung ziehe, von seinen Befugnissen Gebrauch zu machen, das Parlament aufzulösen und vorgezogene Parlamentswahlen auszurufen. Osttimor muss seine von Öl und Gas abhängige Wirtschaft diversifizieren. Ramos-Horta will das Land in die Gemeinschaft der Asean-Staaten führen, zu denen auch die ehemalige Besatzungsmacht Indonesien gehört.

Seinen Friedensnobelpreis gewann Ramos-Horta damals, weil er sich stets für eine friedliche Lösung eingesetzt hatte. Nach dem Sieg versprach er nun: "Ich werde das tun, was ich mein ganzes Leben lang getan habe Ich werde immer den Dialog suchen, geduldig und unermüdlich, um eine gemeinsame Basis zu finden und Lösungen für die Herausforderungen, vor denen dieses Land steht." Am 20. Mai tritt er das Amt an.

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