Impfungen:Der Winter ist schlecht vorbereitet

Lesezeit: 1 min

Coronavirus in Deutschland: Ein Bundeswehrsoldat im Impfzentrum Schönefeld

Ein Bundeswehr-Soldat wartet auf Impflinge im Impfzentrum Schoenefeld.

(Foto: Jochen Eckel/Imago Images)

Auch der neue Gesundheitsminister wird es kaum schaffen, dass bis Weihnachten 30 Millionen Deutsche geimpft sind.

Kommentar von Markus Balser

Dass sich Omikron in Deutschland als dominierende Corona-Variante durchsetzt, gilt unter Fachleuten längst als gesetzt. Die Frage ist nur, wann und wie schnell die deutlich ansteckendere Virus-Version hierzulande endgültig die Oberhand gewinnt. Der neue deutsche Gesundheitsminister Karl Lauterbach sieht bereits nur noch einen Ausweg aus der immer schwierigeren Pandemielage in diesem Winter: Wir müssen auf jeden Fall schneller boostern als Omikron kommt, forderte der SPD-Politiker.

Doch während Omikron ein atemberaubendes Tempo vorlegt, hinkt die deutsche Impfkampagne hinterher. Zwar könnten schon in dieser Woche neue Erleichterungen für dreifach Geimpfte beschlossen werden - und damit auch neue Anreize für die Deutschen, sich schleunigst boostern zu lassen. Zwar könnte die Politik die Abstände zwischen Zweit- und Drittimpfung bald deutlich verkürzen und somit noch mehr Menschen zu Impfberechtigten machen.

Doch fraglich bleibt, ob das die Impfzahlen wirklich deutlich steigern kann. Wer zuletzt versucht hat, in Impfzentren, bei Hausärzten oder in langen Schlangen vor Impfbussen eine Dosis in den Arm zu bekommen, ahnt, dass die Bemühungen an eine Grenze stoßen: Ärzte arbeiten vielerorts längst am Limit. Noch immer gibt es in manchen Regionen Engpässe bei der Versorgung und Verteilung von Impfstoff. Termine sind da, aber wohl kaum für viele weitere Millionen Impfwillige.

Deutschland läuft gerade Gefahr, das Rennen um eine baldige Verbesserung der Corona-Lage in diesem Winter zu verlieren. Schuld daran ist nicht nur die neue wie aggressive Virusvariante. Schuld ist auch die seit Monaten erstaunlich schwache Vorbereitung auf diesen Pandemiewinter. Das zeigt sich nicht nur bei der Impfung, sondern auch etwa beim oft konzeptlosen Schutz von Schülerinnen und Schülern oder Kita-Kindern.

Das Ziel von 30 Millionen Impfungen bis Weihnachten, das die neue Regierung ausgegeben hat, ist inzwischen kaum zu erreichen. Zwar werden in Deutschland täglich wieder gut eine Million Dosen gespritzt. Nötig wären für das Ziel aber viele Hunderttausend mehr. Dass das möglich wäre, zeigt ein Blick in die Vergangenheit. Fast eineinhalb Millionen Impfungen haben Ärzte in Deutschland täglich schon einmal geschafft. Die Rekordwerte allerdings stammen aus dem Frühling und dem Sommer. Die großen Impfzentren des Landes - sie waren damals noch geöffnet.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema