Mittelmeer:Es bleibt schändlich

Europa ist es weiterhin praktisch egal, was den Flüchtlingen auf ihren Booten passiert.

Von Andrea Bachstein

Im Juli landeten bisher pro Tag zwischen zwölf und 869 Bootsflüchtlinge in Italien an. Am Freitag waren es mindestens 570 an Bord des Rettungsschiffes Ocean Viking. Rom erlaubte, sie nach Sizilien zu bringen. Malta reagierte nicht, wie meist, wenn Schiffe privater Organisationen Landung erbitten; nicht nur Staaten Osteuropas kneifen in Flüchtlingsfragen.

Die Ocean Viking kreuzte als einziges der privaten Rettungsschiffe im zentralen Mittelmeer. Mehrere liegen fest, weil sie angeblich Vorschriften italienischer Behörden nicht erfüllen. Sie haben über die Jahre weit mehr als 100 000 Menschen gerettet. Ihre Arbeit zu erschweren, ergibt keinen Sinn, solange es keinen größeren europäischen Rettungseinsatz gibt. Weder juristisch noch empirisch sind Vorwürfe belegt, dass Retter gemeinsame Sache mit Schleppern machen oder ihre Präsenz mehr Migranten aufs Meer zieht. Fast neun von zehn Flüchtlingen, die Italien erreichen, schaffen es ohne sie. Mindestens 740 kamen dieses Jahr schon in den Fluten um, wären mehr Retter unterwegs, wären es wohl weniger gewesen.

Es bleibt schändlich, dass Europa einen Großteil der Seenotrettung Libyens Küstenwache überlässt. Sie bringt die Flüchtlinge zurück, bestenfalls. Dass bei dem Thema kein gemeinsames Handeln der EU in Aussicht ist, bestätigte der Brüsseler Gipfel im Juni: Er forderte die Kommission sowie UN-Organisationen auf, mit den Mitgliedsländern Aktionspläne zu entwerfen. Im Herbst. Dann endet die Fluchtsaison am Mittelmeer. Es braucht eine Koalition der Willigen zur Seenotrettung. Sofort.

© SZ/de
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