Oberbürgermeisterwahl in StuttgartDas gefühlt geringste Übel

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Die Grünen dürfen sich nicht auf den Beliebtheitswerten von Winfried Kretschmann ausruhen.

Von Claudia Henzler

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Die Stuttgarter Oberbürgermeister-Wahl war für die Grünen ein Debakel. Doch ist sie auch ein schlechtes Vorzeichen für die Landtagswahl im Frühjahr 2021? Fest steht: Die Niederlage beschädigt das Image der Grünen, die sich gern als neue Volkspartei präsentieren. Als ihr Kandidat Fritz Kuhn vor acht Jahren in Stuttgart gewann, da hat die Partei diesen Erfolg durchaus als symbolträchtigen Meilenstein gefeiert. 2011 war Winfried Kretschmann Ministerpräsident geworden, 2012 folgte der Sieg in der Landeshauptstadt. Die Grünen schien damals nichts aufzuhalten.

Tatsächlich ist die Aussagekraft einer Oberbürgermeisterwahl begrenzt. In der Kommunalpolitik kommt es stark auf die Persönlichkeit des Kandidaten an. Darauf, wem die Wähler das Amt zutrauen. Das galt damals für die Grünen und gilt heute für die CDU, die aus dem Ergebnis in Stuttgart die These ableiten will, dass sie "auch Großstadt kann". Doch nicht einmal die Hälfte der Stuttgarter gingen am Sonntag zur Wahl. Und nicht einmal die Hälfte der Wähler gaben ihre Stimme dem CDU-Kandidaten Frank Nopper. Weil es in Baden-Württemberg keine Stichwahl gibt, reichten ihm 42,3 Prozent zum Sieg.

Letztlich kam Nopper ins Amt, obwohl er der Kandidat der CDU war. Denn in Stuttgart ist Potenzial für einen Oberbürgermeister aus dem ökosozialen Milieu vorhanden. Bei der jüngsten Kommunalwahl wurden die Grünen mit gut 26 Prozent stärkste Kraft. Mit der SPD und mehreren kleineren Fraktionen bildet das linksökologische Lager eine Mehrheit.

Potenzial nützt nichts, wenn die Kandidaten nicht überzeugen

Die Oberbürgermeisterwahl, aus der sich die Grünen nach dem ersten Wahlgang freiwillig verabschiedet haben, spiegelt diese Mehrheitsverhältnisse wider: Die beiden Kandidaten aus dem ökosozialen Lager kamen zusammen auf 54,7 Prozent. Marian Schreier lag mit 36,9 Prozent an zweiter Stelle, Hannes Rockenbauch erreichte immerhin 17,8 Prozent. Daraus lässt sich jedoch nicht zwingend ableiten, dass Schreier ohne Konkurrenz gewonnen hätte. Denn der 30-Jährige hatte im Wahlkampf so stark polarisiert, dass einige Wähler für Rockenbauch stimmten, um damit nur indirekt dem Kandidaten Nopper ins Amt helfen zu müssen. In einem mediokren Bewerberfeld war der CDU-Mann für viele zwar nicht der Wunsch-Oberbürgermeister, aber das gefühlt geringste Übel.

Die wichtigste Lehre aus der Stuttgarter Wahl lautet: Potenzial nützt nichts, wenn die Kandidaten nicht überzeugen. Dass es der Partei nicht gelang, einen überzeugenden Nachfolger für Fritz Kuhn zu präsentieren, ist ein schweres Versäumnis, das sich bis zu einem gewissen Grad damit erklären lässt, dass die Zustimmungswerte der Grünen schneller steigen, als deren Personaldecke wächst. Talentierter Nachwuchs wird im Landtag, in den Ministerien, im Bundestag gebraucht. Die Konkurrenz um gute Leute ist größer als vor acht Jahren. Hinzu kommt, dass das Bürgermeisteramt, in dem man ständig mit öffentlicher Kritik konfrontiert wird und wenig Privatleben hat, nicht bei jedem als Traumjob gilt.

Im Land können die Grünen auf Zustimmung für die Arbeit der Regierung bauen, vor allem aber auf den Spitzenkandidaten. Wenn sich aus dem Stuttgarter Debakel etwas für die Landtagswahl ableiten lässt, dann eine Mahnung: Die Grünen dürfen sich nicht auf den sensationellen Beliebtheitswerten von Winfried Kretschmann ausruhen. Sie müssen zeigen, dass sie neben dem Ministerpräsidenten eine kompetente Mannschaft zu bieten haben.

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