Norwegen:Das Geld ist da

Die Wähler stärken Parteien, die kritisch zum Öl stehen. Darin kommt Mut zum Ausdruck. Es gibt sogar Anlass dafür.

Von Gunnar Herrmann

In Jubel sind Norwegens Klimaschützer wohl nicht ausgebrochen. Diejenigen Parteien, die deutliche Einschränkungen für die Öl- und Gasindustrie fordern, sind bei der Parlamentswahl hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Die Grünen wollen einen radikalen Ausstieg aus der Förderung bis 2035. Sie scheiterten gar an der Vier-Prozent-Hürde.

Trotzdem sollte das Ergebnis Anlass bieten für ein wenig Optimismus bei jenen, die sich ein klimafreundliches Norwegen wünschen. Klimaschutz stand immerhin im Mittelpunkt des Wahlkampfes. Und einige der ölkritischen Parteien werden wohl in der nächsten Regierung sitzen, voraussichtlich angeführt von dem Sozialdemokraten Jonas Gahr Støre. Dessen Arbeiterpartei ist zwar eher industriefreundlich - aber Støre hat schon vor der Wahl angekündigt, dass er sich eine Koalition mit Parteien wünscht, die für Regulierung und Drosselung der Öl- und Gasförderung eintreten. Geschadet hat es ihm offenbar nicht.

Das ist bemerkenswert in einem Land, dessen Wohlstand vom Export fossiler Brennstoffe abhängt. Alle 5,3 Millionen Norweger profitieren von den gewaltigen Öleinnahmen. Sie sind das Fundament für den Aufstieg des einst armen Landes zu einem der wohlhabendsten der Erde. Nun hat Norwegen viel zu verlieren - es ging bei dieser Wahl um nichts weniger als um den Umbau einer Volkswirtschaft.

Dass die Norweger in dieser Lage immerhin Kräfte gestärkt haben, die den Wandel beschleunigen wollen, zeugt von Mut und Zukunftsvertrauen. Dieses erwächst auch aus einer vorausschauenden Politik. Über Jahrzehnte stärkte die Regierung mit dem Ölgeld den Wohlfahrtsstaat und sparte es in einem Fonds für künftige Generationen. Norwegen wusste stets: Der Reichtum wird nicht ewig sprudeln. Darum hat das Land nun Gestaltungsspielraum. Den Wählerauftrag an die Politik kann man nach dieser Wahl so verstehen: Nutzt ihn!

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