Energiepolitik:Handeln im Schlafwandeln

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Allerspätestens seit der Zerstörung der Ostsee-Pipelines im September 2022 ist klar, wie sehr sich die deutsche Politik in ihrer Energiepolitik verkalkuliert hat. (Foto: HANDOUT/AFP)

Trotz aller Warnungen beharrten die großen Koalitionen Angela Merkels darauf, die Gaspipeline Nord Stream 2 zu bauen. Es war eine der größten Fehleinschätzungen des deutschen Politikbetriebs. Den vollen Preis für diese Träumerei haben die Deutschen noch nicht gezahlt.

Kommentar von Nicolas Richter

Die Geschichte der Gaspipeline Nord Stream 2 ist die einer deutschen Träumerei. In diesem Traum fließt Energie im Überfluss; die Russen sind zwar käuflich, aber deswegen auch irgendwie steuerbar; die Amerikaner mit ihren Sicherheitsbedenken nerven, werden sich aber schon wieder beruhigen. In diesem Traum der 2010er-Jahre verleibt sich Moskau zwar die ukrainische Krim ein, die Deutschen aber können einfach weitermachen gemäß ihrer geliebten Losung "Wandel durch Handel". Als Russland allerdings am 24. Februar 2022 in die Ukraine einmarschiert, endet der deutsche Traum plötzlich mit der Erkenntnis, dass Wandel durch Handel eher Handeln im Schlafwandeln war.

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