Der Ausdruck Nazi existierte in Bayern und Österreich schon im 19. Jahrhundert als Kurzform des Namens Ignatius und wurde auch abwertend, im Sinne von Depp gebraucht – so wie heute gelegentlich „Horst“. Das ist natürlich nicht der Hintergrund der Aufregung, die am Sonntagabend der SPD-Vorsitzende Lars Klingbeil auslöste, als er im Beisein der AfD-Chefin Alice Weidel feststellte, „dass die Nazis bei dieser Wahl stärker geworden“ seien. Als „Nazi-Partei“ hatte zuvor auch schon der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) die AfD bezeichnet – und damit eine Parallele gezogen zu der von Adolf Hitler angeführten, einstigen Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP), die mit diesem spöttischen Kurzwort belegt wurde. So ist der Ausdruck erstmals 1923 bei Kurt Tucholsky belegt, in einem Artikel in der Weltbühne. Die NS-Ideologen nutzten ihn anfangs teils selbst; Joseph Goebbels veröffentlichte 1932 eine Schrift namens „Der Nazi-Sozi“. Später ließen die Nazis sich nur noch ungern so nennen. Das Oxford English Dictionary nennt heute Beispiele für einen auch unbefangeneren Gebrauch des Ausdrucks im Sinne von „Fanatiker“: aerobics nazi etwa. Alice Weidel wies Klingbeils Worte am Sonntag jedenfalls als „Unverschämtheit“ zurück.
:Rechtsextreme Resultate werfen Schatten vor dem Herbst
Die AfD erzielt Erfolge bei den Kommunal- und den Europawahlen in Sachsen und Brandenburg. Bei den Stichwahlen um kommunale Ämter in Thüringen geht sie hingegen leer aus. Verrät das etwas über die Landtagswahlen im September?