Nato und Russland:Das hat Putin nun davon

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Nato und Russland: Auf seine Bündnisfreiheit will Finnland unter dem Eindruck des Kriegs in der Ukraine verzichten und der Nato beitreten. (Ein finnischer "Patria Pasi"-Transportpanzer bei einem Manöver auf der schwedischen Insel Gotland).

Auf seine Bündnisfreiheit will Finnland unter dem Eindruck des Kriegs in der Ukraine verzichten und der Nato beitreten. (Ein finnischer "Patria Pasi"-Transportpanzer bei einem Manöver auf der schwedischen Insel Gotland).

(Foto: Anders Wiklund/AFP)

Mit aller Macht wollte die russische Führung sich den Westen vom Leib halten. Doch wegen des Überfalls auf die Ukraine wird Finnland wohl der Nato beitreten. Damit verdoppelt sich die Landgrenze Russlands zum Verteidigungsbündnis.

Kommentar von Kai Strittmatter

Selber schuld! So lautet etwas verknappt die Ansage des finnischen Präsidenten Sauli Niinistö Richtung Wladimir Putin. Und es stimmt. Finnland wird kommende Woche den Antrag auf Nato-Mitgliedschaft stellen. Schweden wird wohl mitziehen. Tatsächlich ist das ein spektakuläres Beispiel für die Fehlkalkulation von Russlands Führung, die mit ihrem Angriffskrieg das genaue Gegenteil von dem erreicht, was sie sich als Ziel vorgegeben hat.

Den Feind verwirren und spalten? Die Nato von den eigenen Grenzen fernhalten? Nun steht der Westen einig da wie selten, und die Nato wird größer und stärker denn je. Sie verdoppelt mit dem Beitritt Finnlands ihre gemeinsame Landgrenze zu Russland gar um mehr als 1300 Kilometer. Ein Albtraum für Russlands Strategen.

Die Bündnisfreiheit, viele verstanden sie als Teil der finnischen Identität

Für Finnland selbst ist die Entscheidung für die Nato ein historischer Bruch. Schmerzlich für nicht wenige, nicht zuletzt für die regierenden Sozialdemokraten, die die Bündnisfreiheit als Teil der finnischen Identität verstanden. Die vergangenen Wochen waren dann eine erstaunliche Lektion in Sachen Demokratie: Es gab eine breite Debatte über Für und Wider eines Nato-Beitritts, an deren Ende nun ein breiter Konsens steht. Dabei waren die Bürger den Politikern diesmal voraus, tatsächlich trieben sie die anfangs zögerliche Politik in der Nato-Debatte vor sich her. Mittlerweile befürworten drei von vier Finnen eine Nato-Mitgliedschaft - undenkbar noch vor Monaten.

Die Entscheidung ist aber nicht nur ein Abschied. Finnland begab sich schon während des Kalten Krieges - als das Schlagwort von der Finnlandisierung noch anrüchige Kompromisse mit Moskau unterstellte - auf einen langen Weg, der mit der Mitgliedschaft in der Europäischen Union 1995 seinen ersten Höhepunkt fand: Spätestens seit damals sah sich Finnland fest im Lager des Westens und seiner Werte wie Rechtsstaatlichkeit, Freiheit und Demokratie. Nicht wenige sehen nun den Nato-Beitritt als weitere Etappe auf diesem Weg.

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