Süddeutsche Zeitung

Nahost:Männer von gestern und heute

Wie einst undenkbare Koalitionen Realität wurden.

Von Moritz Baumstieger

Krieg mit Iran? Oder Frieden mit Israel? Was genau beim Treffen in der Wüste Saudi-Arabiens besprochen wurde, ist unklar. Über den Inhalt ihres Gesprächs vereinbarten Kronprinz Mohammed bin Salman, US-Außenminister Mike Pompeo und Israels Premier Benjamin Netanjahu Stillschweigen. Die Tatsache an sich, dass sich erstmals die Regierenden Israels und des Königreichs trafen? Zu historisch, um mit ihr nicht punkten zu wollen.

Pompeo, Netanjahu und der Kronprinz erschienen vor dem Treffen angeschlagen: In den USA verkündete Biden, wer neuer Außenminister wird, in Israel setzt Netanjahus Rivale Benny Gantz den Premier in einem mutmaßlichen Korruptionsfall unter Druck, dem Kronprinzen verwehrte die Corona-Pandemie die Rehabilitation. Eigentlich wollte er als Gastgeber beim G-20-Gipfel nach dem Khashoggi-Mord auf die internationale Bühne zurückzukehren, nun durfte er einem Video-Stream vorsitzen.

Die vermeintlichen Männer von gestern zeigten aber, wie stark sie in vier Jahren Donald Trump die Region verändert haben: Einst undenkbare Koalitionen sind Realität. Und sollte Riad Trump helfen, seinen Furor über die Wahlniederlage durch einen Friedensschluss zu lindern, wäre das zwar nicht der "Deal des Jahrhunderts", den Trump einst vollmundig ankündigte. Aber zumindest ein Deal, der den Nahen Osten auf Jahrzehnte prägt.

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