Der argentinische Präsident Javier Milei an der Drachenschnur von Donald Trump – mit dieser Zeichnung verabschiedet sich Luis Murschetz von seinem Publikum. Damit beendet er ein Schaffen, das bei der SZ am 16. März 1967 begann, vor mehr als einem halben Jahrhundert also. Murschetz gehörte nie der Redaktion an, die Karikaturisten und Karikaturistinnen in Deutschland zeichnen fast alle freiberuflich. Zu jenen Ensemblemitgliedern, die die SZ geprägt haben, gehört er trotzdem: Auch seine Zeichnungen haben den Ton der Zeitung gesetzt. Murschetz suchte und fand in seinen Karikaturen immer das Heitere im Ernsten, das Leise im Dröhnenden. Seine Figuren malte er nicht aus, ihm genügten die Striche, die das jeweils Markante bei Milei und Trump beschreiben, oder früher bei Stoiber und Brandt: in Aussehen, Gestik, Körperhaltung. Was die Redaktion betrifft, hätte das noch ewig so weitergehen können. Doch mit 89 ist nicht alles mehr so leicht wie mit 80, selbst nicht wie mit 88. Deshalb hat Luis Murschetz entschieden, nun aufzuhören. Es war hier allen die größte Ehre, wir bleiben seine Fans.

