Dass an diesem Wochenende erneut so viele Menschen in München zusammenkommen, um über Sicherheitspolitik zu sprechen, geht auf diesen Mann zurück. Ewald von Kleist erfand nach der Kubakrise von 1962 ein jährliches Treffen, das er „Wehrkundetagung“ nannte. Er wollte für Politiker und Militärs aus Deutschland und den Nato-Staaten eine Gelegenheit schaffen, zwanglos und vertraulich miteinander zu reden, ohne dass gleich etwas zu planen und zu beschließen wäre. Anfangs hielt er den Kreis klein; ein paar Dutzend Teilnehmer. Nach dem Kalten Krieg wurde die Tagung in „Münchner Sicherheitskonferenz“ umbenannt, Kleist öffnete sie für Gäste von überall her. Weil er heute nur noch wenigen ein Begriff ist, sei daran erinnert, um wen es sich handelte: einen Mann des Jahrgangs 1922, der als Leutnant mit seinem Vater zum Kreis um Stauffenberg gehörte. Im Februar 1944 wurde er gefragt, ob er zu einem Selbstmordattentat auf Hitler bereit wäre. „Ich stand vor der Frage: Sage ich Ja, bin ich tot. Sage ich Nein, bin ich ein Schwein.“ Die Entscheidung blieb ihm erspart, der vorgesehene Termin mit dem Tyrannen fiel aus. Nach dem 20. Juli gelang es Kleist, sich herauszureden; sein Vater hingegen wurde exekutiert. Bis 1998 leitete er die Sicherheitskonferenz. 2013 starb er.
GeschichtsbildDer Chef der Sicherheitskonferenz

Ewald von Kleist rief das Treffen nach der Kubakrise ins Leben, mit Anfang 40. Den dramatischsten Teil seines Lebens hatte er da schon hinter sich.
Von Detlef Esslinger
