GeschichtsbildSyrer in Deutschland

Vor elf Jahren: ein syrischer Junge bei der Ankunft im Paradies, also dem Münchner Hauptbahnhof.
Vor elf Jahren: ein syrischer Junge bei der Ankunft im Paradies, also dem Münchner Hauptbahnhof. Florian Peljak

Im Spätsommer 2015 kommen Tausende Flüchtlinge am Münchner Hauptbahnhof an und werden von einer beseelten Menge begrüßt. Doch die Euphorie vergeht schnell.

Von Sara Maria Behbehani

Es ist Spätsommer 2015: In München spielt sich etwas ab, das heute undenkbar ist. Innerhalb von 24 Stunden erreichen am 6. September 13 000 Geflüchtete über Ungarn und Österreich den Hauptbahnhof – und es werden noch viele, viele mehr. Doch statt sie mit Skepsis, Ablehnung oder gar Hass zu begrüßen, jubeln die Münchner den Menschen zu, die vor allem aus Afghanistan und Syrien stammen. In den Wohnheimküchen kochen Studenten Essen, um es zum Bahnhof zu bringen. Bürger suchen zu Hause zusammen, was sie an Kleidung abgeben können. Die deutsche Willkommenskultur geht in die Geschichte ein. Ebenso der Satz, den die damalige Kanzlerin Angela Merkel wenige Tage zuvor gesagt hatte: „Wir haben so vieles geschafft, wir schaffen das.“ Doch die Stimmung kippt schnell. Schon Anfang Oktober geben 51 Prozent der Befragten im ARD-Deutschlandtrend an, ihnen mache der Zustrom von Flüchtlingen Angst. Pegida und die AfD erhalten neuen Zulauf. Dann ereignet sich die Kölner Silvesternacht: Hunderte Frauen werden Opfer sexueller Übergriffe. Die Täter sind überwiegend Männer aus Nordafrika. Und danach ist nichts wie zuvor. In dieser Woche empfing nun Friedrich Merz, von Beginn an Kritiker von Merkels Flüchtlingspolitik, den syrischen Präsidenten Ahmed al-Scharaa im Kanzleramt. In der anschließenden Pressekonferenz sagte Merz, dass 80 Prozent der hier lebenden Syrer in ihr Heimatland zurückkehren sollten. Später entwickelte sich dieser Satz zur kommunikativen Posse. Die Willkommenskultur hat so oder so längst ihr Ende gefunden.

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