Metallindustrie:Sie können sich einigen

Lesezeit: 1 min

Der Winter kommt und übt schon jetzt Druck auf die Tarifverhandlungen der Metaller aus. Doch es sieht ganz danach aus, als könnte eine Einigung gelingen.

Kommentar von Alexander Hagelüken

Nach außen wirkt es so schwierig wie nie. Da stehen auf der einen Seite die Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie, die einem Krisenwinter entgegensehen, in dem ihnen vielleicht sogar das Gas ausgeht. Und da stehen auf der anderen Seite die vier Millionen Arbeitnehmer der größten deutschen Industriebranche, deren Gehalt die Inflation aufzehrt. Wie sollen die sich in den nächsten Monaten auf einen Tarifabschluss einigen?

Es spricht für die Sozialpartnerschaft von Gewerkschaften und Arbeitgebern in Deutschland, dass es trotz Ukraine-Krieg, Rezessionsrisiken und Rekordinflation dafür gar nicht so schlecht aussieht. Beide Tarifseiten tüfteln intern an einer Lösung. Der Schlüssel soll eine Zahlung von bis zu 3000 Euro an die Beschäftigten sein. Diese macht die Bundesregierung mit ihrem neuen Entlastungspaket attraktiv, weil sie auf Steuern und Sozialabgaben verzichtet. So könnten die Arbeitnehmer erst mal eine einmalige Zahlung erhalten, die die Kosten der Firmen nicht dauerhaft erhöht. Die übliche Lohnerhöhung ließe sich so verschieben: auf nächsten Sommer, wenn der Krisenwinter bewältigt ist.

Beide Seiten dienen den Interessen ihrer Mitglieder am besten, wenn sie schnell einen Deal schmieden

Es mag erstaunen, dass die Tarifpartner sich öffentlich verbal angehen, aber intern schon an einer Lösung basteln. Doch das gehört zum Spiel. Sowohl Gewerkschaft als auch Arbeitgeber müssen ihren Mitgliedern erst mal beweisen, dass sie hart für deren Interessen kämpfen. Am Ende allerdings dienen sie diesen Interessen am besten, wenn sie ohne wochenlange Streiks einen Deal schmieden. So, wie es schon in der Corona-Krise gelang.

Zur Wahrheit gehört, dass dies beiden Seiten Zugeständnisse abfordert. Die Firmen, die in den vergangenen Jahren oft gut verdienten, müssen das Gerede von der Nullrunde lassen - und die Beschäftigten für ihre Arbeit angemessen bezahlen. Und die Gewerkschaft muss bereit sein, das Tarifergebnis anzupassen, falls den Unternehmen doch noch das Gas ausgeht. Denn ja: Der Winter kommt.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema