Süddeutsche Zeitung

Medienpolitik:Der Traum von Großungarn

Viktor Orbán dehnt seinen Einfluss aus, indem er ausländische Medien manipuliert. Die EU muss ihm dringend Grenzen setzen.

Von Cathrin Kahlweit

Viktor Orbán betrachtet sich als starken Mann Zentraleuropas, seinen Einfluss will er weiter ausdehnen. Dafür nutzt er ein Arsenal von Methoden: Beratung, Druck, symbolische Gesten wie die Verteilung medizinischer Güter an befreundete Politiker in Nachbarländern - und auch den Kauf oder die Subventionierung ausländischer Medien durch Mittelsmänner. Ultimatives Ziel dürfte eine Einflusssphäre sein, die vom Westbalkan bis nach Mitteleuropa reicht.

Slowenien ist leichte Beute. Der Ministerpräsident, Rechtspopulist und Orbán-Freund Janez Janša, ist seit März zum dritten Mal an der Macht; schon seit 2018 fließen Gelder ungarischer Investoren aus Orbáns Umfeld in Medien, die Janšas Partei SDS nahestehen. Der Innenminister ist ehemaliger Fernsehmann eines Senders, der nach Recherchen slowenischer Journalisten mehrere Millionen aus Ungarn bekommen hat. Janša drangsaliert, wie Orbán, kritische Journalisten und informiert die Öffentlichkeit vorwiegend über die eigenen, aus Orbáns Umfeld finanzierten Medien.

Orbán kommt mit dieser Strategie seinem Traum von einem neuen Großungarn näher. Sie verschafft ihm neuen Einfluss in alten Sphären, in Rumänien etwa durch doppelte Staatsbürgerschaften und dadurch neue Fidesz-Wähler. Die EU muss der medialen Manipulation über Grenzen hinweg dringend Grenzen setzen.

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