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Pandemie:Lasst die Masken fallen

Eine FFP2-Maske

Die FFP2-Maske - vom Verkaufsschlager bald zum Auslaufmodell?

(Foto: Leonhard Simon)

Die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes sollte schrittweise aufgehoben werden. Nicht nur, weil man sich im Freien eh kaum ansteckt und es bequemer ohne ist, sondern auch um die Grundrechte zu wahren.

Kommentar von Angelika Slavik

Diese Pandemie hat viele schmerzhafte Folgen - die Deutlichkeit, mit der sie die Abgründe der politischen Diskussionskultur im Land aufzeigt, gehört auch dazu. Drei Monate vor der Bundestagswahl ist die zentrale Frage nicht die nach der besten Idee oder nach dem inhaltlich tragfähigsten Konzept zur Pandemie-Bekämpfung, sondern sie lautet schlicht: Wer brüllt lauter?

Trotzdem ist es zufällig richtig, was Politikerinnen und Politiker von den unterschiedlichsten Seiten nun tröten: Die Maskenpflicht muss schrittweise aufgehoben werden.

Denn zumindest im Freien, wo eine Ansteckung laut aktuellem Stand der Wissenschaft nahezu ausgeschlossen werden kann, ist sie kein sinnvoller Beitrag zur Pandemiebekämpfung mehr. Alle Einschränkungen von Grundrechten - und dazu gehört die Maskenpflicht - sind aber nur zu rechtfertigen, wenn sie absolut zwingend notwendig sind und es keine Alternative gibt. Weil das nun nicht mehr der Fall ist, müssen die Auflagen zurückgenommen werden.

Auch ohne Maske muss nicht gleich alle Vorsicht über Bord gehen

Das ist wichtig, und zwar nicht nur, weil das Leben ohne Maske komfortabler ist. Es ist auch ein Signal. In der Pandemie ist, zumindest in Teilen der Bevölkerung, auch einiges an Vertrauen in die Politik verlorengegangen. Die Beschränkung ließ manche den dauerhaften Verlust von Freiheit befürchten. Rechte nun wieder zurückzugeben und Restriktionen aufzuheben, macht deutlich, dass mit Grundrechten in diesem Land nicht willkürlich umgegangen wird. Dass die Beschränkungen wirklich nur der Ausnahmesituation eines potenziell tödlichen Virus geschuldet waren und die Freiheit der und des Einzelnen nicht zur Debatte steht.

Das bedeutet nicht, dass man deshalb nun alle Vorsicht über Bord werfen müsste. Denn auch wenn die Inzidenzzahlen auf ein Niveau gesunken sind, das noch vor ein paar Wochen unerreichbar fern erschien, stecken sich immer noch jeden Tag Menschen mit diesem Virus an. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung hat noch keine Impfung bekommen. Vorbei ist die Gefahr also längst nicht.

In Bus, Bahn oder Supermarkt sollte die Maskenpflicht aber bleiben

Deshalb gibt es gute Gründe, alle Lockerungen wohl zu wägen, auch die Aufhebung der Maskenpflicht. Vor allem für öffentliche Verkehrsmittel und Supermärkte gibt es Argumente, das Tragen einer Maske weiterhin vorzuschreiben. Nicht nur, weil es sowohl in Bus und Bahn als auch an der Kasse zu Stoßzeiten voll ist. Sondern auch, weil die Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln für viele Menschen unvermeidbar ist, ebenso wie der Einkauf. Auch wer ein erhöhtes gesundheitliches Risiko hat, kann diese Orte kaum meiden - anders als Fußballstadien, Theater, Restaurants oder Kinos, für deren Besuch sich jede und jeder frei entscheidet. Zudem: Für 15 oder 20 Minuten im Supermarkt eine Maske zu tragen, ist ein minimales Opfer für den Schutz anderer. Das darf man sich selbst schon zumuten.

Niemand kann sagen, ob wir wirklich in der letzten Phase dieser Pandemie angekommen sind oder ob im Herbst die vierte Welle hereinbricht. Ob eine Mutation auftaucht, die alle Impferfolge zunichtemacht. Käme es so, müsste man all die ungeliebten Maßnahmen wieder verordnen, inklusive der Maskenpflicht. Der Frust wäre unvorstellbar groß. Und dennoch hätten dann alle gesehen, dass die Grundrechte nicht auf ewig eingeschränkt bleiben, sondern nur solange es die Pandemie erfordert. Auch deshalb ist es wichtig, die Freiheit jetzt zu zelebrieren und die Maskenpflicht nach und nach aufzuheben. Ob es nun für immer ist oder nur für einen Sommer.

© SZ/kus
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