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Marco Rose

(Foto: Marius Becker/dpa)

Trainer, an dessen Weg sich das Fußballgeschäft erklären lässt.

Von Ulrich Hartmann

In einem verzweifelten letzten Versuch hatten die Fans von Borussia Mönchengladbach noch angeboten, dem Trainer Marco Rose dereinst ein Denkmal zu bauen. Damit hätten sie ihn gern zum Bleiben verführt. Aber der gebürtige Leipziger ist keiner, der ein Denkmal wollte. Also gab Rose, 44, nach wochenlanger Geheimniskrämerei bekannt, dass er am Ende der Saison zu Borussia Dortmund wechselt. Von der kleineren Borussia am Niederrhein zur längst etwas größeren Borussia in Westfalen, wo alles ein bisschen beeindruckender ausfällt: Stadion, Umsatz und Erwartungen; im Erfolgsfall auch die Meriten. "Wir haben den Betonmischer für das Fundament des Denkmals jedenfalls wieder abbestellt", sagt Thomas Ludwig vom Mönchengladbacher Fanprojekt lakonisch.

Die Nahrungskette in der Branche

Roses Werdegang beleuchtet exemplarisch die natürliche Nahrungskette im Fußball. 2019 löste Gladbach ihn bei RB Salzburg durch die Bezahlung einer drei Millionen Euro teuren Vertragsklausel aus. Das hat dort Misstöne bewirkt. Nun befreit Borussia Dortmund diesen Trainer für fünf Millionen Euro aus seinem eigentlich bis 2022 gültigen Vertrag in Mönchengladbach. Dort reagieren die Fans ebenfalls allergisch. Dabei kennen doch alle diese einfachste Regel: Ober sticht Unter. Und so einen Fluchtweg lassen sich Trainer wie Spieler immer häufiger in ihre Arbeitspapiere einbauen. Gemessen am Saisonetat, der in Dortmund wohl etwa doppelt so hoch ist wie in Gladbach, dürfte Rose bei dem nur 90 Kilometer entfernten Klub womöglich auch das Doppelte verdienen.

Inspiriert wird Rose zu seinem Ritt auf der Erfolgswelle nicht zuletzt von Jürgen Klopp und Thomas Tuchel. Als Verteidiger spielte er beim FSV Mainz 05 von 2002 bis 2008 unter dem Trainer Klopp. Das hat ihn taktisch und charismatisch geprägt. Sein letzter Trainer in Mainz war Tuchel. 2015 hat Rose dann an der Trainerakademie mit so progressiven Kollegen wie Florian Kohfeldt (Werder Bremen), Steffen Baumgart (SC Paderborn) oder Thomas Reis (VfL Bochum) seinen Fußballlehrerschein gemacht.

Als Trainer bei der Salzburger Jugend

Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits zwei Jahre als B-Jugend-Trainer in der Salzburger Fußballfiliale von Red Bull (RB) hinter sich, 2015 wurde er dort zum A-Jugend-Trainer befördert. Für die Position des RB-Cheftrainers in der österreichischen Bundesliga empfahl er sich wiederum zwei Jahre später mit dem Gewinn der Youth League 2017, dem Nachwuchswettbewerb der Champions League. 2018 und 2019 wurde Rose mit Salzburg Meister und avancierte zum Trainerkandidaten bei diversen Bundesliga-Klubs. Gezündet hat es im Gespräch mit Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl. 2019 wechselte Rose an den Niederrhein. 2020 führte er die Gladbacher in die Champions League, und dort unverhofft erstmals seit den Siebzigerjahren ins Achtelfinale. Da dachten die Fans erstmals über ein Denkmal nach.

Der Name Borussia Dortmund allerdings hat international einen noch höheren Klang. Von Mainz aus über Dortmund landete Klopp beim FC Liverpool. Von Mainz aus über Dortmund schaffte Tuchel den Sprung zu Paris St. Germain und nun zum FC Chelsea nach London. Dortmund war für beide das Tor zur großen weiten Fußballwelt. Es sieht so aus, als wollte Rose in ihrem Windschatten eine ähnliche Route beschreiten.

Demnächst: im Pokal gegen Dortmund

Auf Denkmälern hinterlassen Tauben ihre Spuren, aber auch ohne eigenes Monument muss Rose in Mönchengladbach nun aufpassen, dass er sauber aus der Nummer herauskommt. Er spielt mit Gladbach am 2. März noch im DFB-Pokal gegen Dortmund, zugleich versucht er mit seiner jetzigen Borussia seiner künftigen Borussia in der Tabelle einen Champions-League-Platz vor der Nase wegzuschnappen. Die punktgleichen Klubs straucheln gerade synchron und verlieren in der Tabelle sukzessive den Anschluss. Rose ist jetzt Diener zweier Herren: seines aktuellen und seines künftigen. Das birgt Reibungspotenzial, so oder so.

© SZ
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