Bundeswehr:Mali ist nicht Afghanistan

Lesezeit: 1 min

Nach dem Scheitern am Hindukusch hadert Berlin mit dem zweiten großen Truppeneinsatz. Doch es ist zu einfach, eine direkte Linie von Kabul nach Bamako zu ziehen.

Von Arne Perras

Die Verteidigungsministerin droht mit Konsequenzen für den Fall, dass die Putschregierung in Mali russische Söldner anheuern sollte. Was Annegret Kramp-Karrenbauer konkret mit "Konsequenzen" meint, hat sie nicht ausgeführt. Doch man braucht nicht viel Fantasie, um zu erkennen: Berlin hadert zunehmend mit dem Militäreinsatz im Norden Afrikas. Über allem schwebt die Frage: Wie weitermachen in Mali? Soll Berlin den Einsatz fortsetzen oder doch seine Truppen abziehen?

Das große Scheitern am Hindukusch befeuert die Debatte darüber, welchen Nutzen Auslandseinsätze der Bundeswehr überhaupt noch haben. Die einfache Antwort liefern diejenigen, die jetzt eine direkte Linie von Kabul nach Bamako ziehen und sagen: Was in Afghanistan schiefging, kann auch in Mali nicht gelingen. Doch eine solche Pauschalisierung ist nicht seriös, sie kann keinen Ersatz liefern für eine sorgfältige und ehrliche Analyse der Gemengelage in Afrika. Afghanistan ist nicht Mali.

Der Staatszerfall begünstigt extremistische Strömungen

Das bedeutet umgekehrt nicht, dass die Terrorbekämpfung in Nordafrika auf einem guten Weg wäre. Zwar töten französische Kampftruppen immer wieder Anführer islamistischer Milizen, so wie es am Donnerstag gemeldet wurde. Paris wertete den Schlag als großen Erfolg. Was damit langfristig gewonnen ist, bleibt jedoch unklar. Denn es werden sich immer neue Milizenführer finden, solange die politischen Verhältnisse und der voranschreitende Staatszerfall extremistische Strömungen begünstigen.

Mit größerer Sicherheit lässt sich sagen, dass die zunehmende Militarisierung der Region eine Spirale der Gewalt entfesselt, die den Menschen im Sahel einen hohen Preis abverlangt. Sie werden zerrieben zwischen den Fronten, es gibt viele zivile Opfer. Und die unheilvollen Nebenwirkungen des Anti-Terror-Kampfes wecken Zweifel daran, ob Paris und Berlin eine schlüssige Strategie für das gefährliche Terrain am Südrand der Sahara entwickelt haben.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB