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Frankreich:Macrons neue Show

Der Präsident schafft die berühmt-berüchtigte Verwaltungshochschule Ena ab. Sie ist ein Symbol für das, was nach Meinung vieler falsch läuft im Land.

Von Nadia Pantel

Nun also doch: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will die Ena abschaffen. Die Verwaltungshochschule also, die Minister und Präsidenten in Serie produziert. Macron hatte ein Ende der Ena bereits im April 2019 versprochen, um die Gelbwesten-Bewegung zu besänftigen. Zwei Jahre lang passierte dann fast nichts.

Doch das Problem liegt weder in dieser Verzögerung noch in der Ena. Die Gelbwesten brachten einen Zorn auf die Straße, der in Frankreich schon lange schwelt. Die Mehrheit des Volkes hat das Gefühl, von einer entkoppelten Elite regiert zu werden, die sich wenig für die Nöte der Durchschnittsfranzosen interessiert und diese nicht einmal wirklich kennt. Die Ena symbolisiert einen stark hierarchisierten Zentralstaat, der den immer gleichen Söhnen aus gutem Hause alle Türen öffnet. Verschwindet dieses Misstrauen der Bürger dem Staat gegenüber, wenn die Ena verschwindet?

Die Antwort lautet Nein, wenn Verwaltung und Regierung sich weiter so zeigen, wie sie es unter Macron seit vier Jahren tun. Macron experimentiert gern mit Formaten zur Bürgerbeteiligung, solange dies einen Show-Effekt garantiert. Doch seine Partei hält er schwach, die Arbeit des Parlaments schätzt er wenig, und am Ende zählen nur sein Wort und seine Gedanken. Darunter leiden die demokratischen Prozesse weit mehr als unter der Ena.

© SZ
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