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Eigentlich ist es falsch, wenn Kritiker die Bundeswehr-Reform jetzt als „Wehrdienst-Lotterie“ verunglimpfen: Für die heutige Generation ist es kein großes, sondern wohl ein „hartes Los“.
Eigentlich ist es falsch, wenn Kritiker die Bundeswehr-Reform jetzt als „Wehrdienst-Lotterie“ verunglimpfen: Für die heutige Generation ist es kein großes, sondern wohl ein „hartes Los“. Leon Kuegeler/Reuters

Die Losverfahren kannten schon die Römer und Griechen. Allerdings in einer anderen als der heute bekannten Form.

Von Marc Hoch

Lotterien sind Losverfahren, die im Ursprung unterschiedlichen Zwecken dienten. Die Griechen setzten sie ein, um politische und juristische Ämter zu besetzen. Dazu nutzten sie das Kleroterion, einen komplexen, angeblich von Aristoteles beschriebenen Apparat, der mithilfe von Kugeln und Täfelchen die Wahl entschied. Ziel war es, den reinen Zufall über die Besetzung entscheiden zu lassen (und nicht etwa eine Einflussnahme über Geschenke). Auch die Römer kannten schon Losverfahren – allerdings eher in dem Sinne, den der Ausdruck „das große Los ziehen“ beschreibt. Zur Unterhaltung der Bevölkerung wurden Täfelchen aus Holz oder Metall verteilt, auf denen manchmal Geschenke notiert waren. In der frühen Neuzeit entwickelte sich dann die Lotterie im heutigen Verständnis. In Genua des 16. Jahrhunderts konnte die Bevölkerung auf die Namen der Richter setzen, die per Los bestimmt wurden. Im 18. Jahrhundert traten anstelle der Richternamen Zahlen – wer die richtig hatte, bekam den Hauptgewinn. In diesem Sinne ist es eigentlich falsch, wenn Kritiker die Bundeswehr-Reform jetzt als „Wehrdienst-Lotterie“ verunglimpfen. Denn hier findet kein Glücksspiel mit einem tollen Gewinn statt. Die meisten jungen Männer dürften sich eher fühlen, wie die Helden in Homers Ilias, die per Los unter sich ermittelten, wer gegen Hektor kämpfen musste. Das ist für die heutige Generation nicht ein großes, sondern wohl ein „hartes Los“: Sie fühlen sich, als hätten sie den Kürzeren gezogen.

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