Energiepreise:Zur Sache, Genossen

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Besser, die Linken organisieren Demos zur sozialen Frage als die Rechten - aber muss es der Montag sein?

Kommentar von Boris Herrmann

Natürlich ist es das gute Recht der Linkspartei, jetzt zu Straßenprotesten aufzurufen und zumindest den Versuch zu unternehmen, sich an die Spitze der Unmutsbewegungen gegen die Energiepreispolitik der Bundesregierung zu setzen. Und vielleicht sollten alle, die ein Interesse an einer lebendigen und streitfähigen Demokratie haben, den Linken sogar ein wenig dankbar sein für ihren Aktionismus. Denn viel bedrohlicher wäre es, wenn die realen Nöte und die berechtigten Ängste in Teilen der Bevölkerung jetzt von all jenen ausgenutzt werden würden, die an einer funktionierenden Demokratie ganz offensichtlich nicht interessiert sind. Also von rechten Wutbürgern und deren parlamentarischer Vertretung, der AfD. Es ist im Grunde eine ganz simple Rechnung: Jede Kundgebung, die in den kommenden Wochen von Linken angemeldet wird, kann nicht mehr von Rechtsextremen angemeldet werden. Je demokratischer der sogenannte "heiße Herbst" wird, desto weniger läuft er Gefahr, von Demokratieverächtern vereinnahmt zu werden.

Der Begriff der Montagsdemo ist überladen mit symbolischer Bedeutung

In ihrem berechtigten Anliegen, die soziale Frage massentauglich zu thematisieren, begeht die Linke aber alte Fehler. Sie diskutiert schon wieder mehr über Begrifflichkeiten und damit auch über sich selbst als über das eigentliche Problem, nämlich über die vielen Armutsbetroffenen in einem reichen Land. Eine der ersten großen Kundgebungen der angekündigten Protestwelle soll kommende Woche als "Montagsdemonstration" in Leipzig stattfinden. Der Begriff der Montagsdemo ist aber überladen mit symbolischer Bedeutung und wurde zuletzt auch konsequent von Rechtspopulisten und Querdenkern zweckentfremdet. Dass man sich den Montag als Protesttag nicht von diesen Leuten wegnehmen lassen darf, ist ein nachvollziehbares Argument, das Linke nun vorbringen. Trotzdem würde sich die Partei einen großen Gefallen tun, wenn sie sich einen anderen Wochentag aussuchen würde. Der Mittwoch wäre für ein Problem, das in die Mitte der Gesellschaft hineinreicht, nicht die schlechteste Wahl.

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