USADer moralisch höchst flexible Herr Senator

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Wenn schon nicht, denn schon nicht: US-Senator Lindsey Graham, der Trump einst einen "Vollidioten" nannte und dann zu dessen Parteigänger wurde - aus Verantwortung für das Präsidentenamt, wie er behauptet.
Wenn schon nicht, denn schon nicht: US-Senator Lindsey Graham, der Trump einst einen "Vollidioten" nannte und dann zu dessen Parteigänger wurde - aus Verantwortung für das Präsidentenamt, wie er behauptet.
Ting Shen/Pool Bloomberg/AP

Lindsey Graham, US-Republikaner aus South Carolina, hat in seiner langen Karriere bewiesen, dass er mit gegensätzlichsten Typen auskommt. Mit CDU-Chef Friedrich Merz aber mag er nun nicht mehr mit sprechen.

Von Reymer Klüver

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Vermutlich eher zufällig und wohl ungewollt ist der Senator des US-Bundesstaats South Carolina, Lindsey Graham, in die Untiefen deutscher Politik geraten. Gemeinsam mit dem CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz sollte er in der Landesvertretung Baden-Württembergs Ende des Monats in einer Diskussionsrunde mit auf dem Podium sitzen. Die Berliner Botschaft eines großen Bundeslandes? Der Chef der Christdemokraten? Check, check. Das konnte nicht verkehrt sein. Wären da nicht noch andere Teilnehmer gemeldet gewesen: vor allem der Rechtsanwalt Joachim Steinhöfel, der die AfD in Zivilverfahren vertreten hat. Die ganze Veranstaltung roch zu sehr nach Kumpanei mit den Rechten - offenbar weshalb CDU-Chef Merz seine Teilnahme absagte.

Doch wer geglaubt hätte, dass Graham dem Vorbild Merz' folgen würde, kennt diesen eigensinnigen Südstaaten-Politiker schlecht. Öffentlich wider den Stachel zu löcken, bereitet ihm immer wieder erkennbar Freude - eine Eigenschaft, die er im Übrigen mit dem CDU-Vorsitzenden teilt. Und so ließ Graham diesen wissen, wenn Merz schon nicht gemeinsam mit ihm auf einem Podium sitzen wolle, brauche man sich auch gar nicht zu treffen bei seinem anstehenden Deutschlandbesuch. Wenn schon, denn schon.

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Dabei dürfte es eher eine Untertreibung sein, wenn man Lindsey Graham als einen der wendigsten unter den Senatoren bezeichnet, die gerade die Republikaner in Washington vertreten. 2002 wurde der Jurist, dessen Südstaaten-Drawl Jovialität und Gelassenheit ausstrahlt, zum ersten Mal gewählt, damals als Protegé und Nachfolger des erzreaktionären Rassisten Strom Thurmond. Doch Graham emanzipierte sich politisch rasch. Er arbeitete mit dem Liberalen Edward Kennedy an einer Reform des Einwanderungsrechts, er zeigte sich offen für Vorschläge zum Emissionshandel und für Begrenzungen bei Parteispenden.

Der Golf-Buddy des Präsidenten

Zwei Freundschaften haben die Karriere des heute 68-Jährigen geprägt. Und auch sie geben Aufschluss über eine bemerkenswerte Beweglichkeit, die für andere längst das Ende ihrer politischen Laufbahn bedeutet hätte. In Washington verband Graham rasch eine Art Geistesverwandtschaft mit seinem (inzwischen verstorbenen) Senatskollegen John McCain. Beide hatten sie lange in der Armee gedient, Graham als Militärstaatsanwalt (unter anderem zwischen 1984 und 1988 vier Jahre in der Rhein-Main Air Base in Frankfurt). Beide waren sie unerschrockene Transatlantiker, beide warnten vor den Isolationisten in ihrer Partei, die eine Reduzierung des Militärengagements der USA weltweit fordern - und sie bewiesen eine tiefe Abneigung gegenüber den vulgär rechtskonservativen Populisten, die bei den Republikanern seit Ende der 2000er-Jahre immer stärker wurden. Für den Mann, der im Präsidentschaftswahlkampf 2016 diese Tendenz am besten zu nutzen verstand, hatte Graham nichts als Verachtung übrig und nannte ihn öffentlich einen "Vollidioten", unfähig das Amt auszuüben, das er anstrebte: Donald Trump.

Umso erstaunlicher war es, dass Graham zu einem der glühendsten Fürsprecher des späteren Präsidenten im Senat wurde - und zu dessen regelmäßigem Golf-Buddy. Seinen offenkundigen Sinneswandel rechtfertigte Graham pragmatisch: "Wenn wir die Autorität des Präsidenten untergraben, ist es das Ende seiner Präsidentschaft - und das Ende unserer Partei."

Und so hielt er ihm bis zuletzt die Treue, als längst klar war, dass er mit seiner ursprünglichen Einschätzung des Mannes recht gehabt hatte. Nach der verlorenen Wahl zählte Graham zu den Gefolgsleuten Trumps, die an der Legende des gestohlenen Wahlsiegs strickten. Er rief sogar den Innenminister des Bundesstaats Georgia an, um zu erkunden, ob sich nicht ein paar Briefwahlstimmen als ungültig erweisen und so Trumps Sieg retten könnten. Ein Anruf, der anderen Politikern längst das Ende ihrer Karriere gebracht hätte.

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