Das Spiel um den dritten Platz bei Fußball- und anderen Turnieren wird landläufig gern kleines Finale genannt, in Abgrenzung zum großen, vor dem es ausgetragen wird. Den beiden teilnehmenden Mannschaften ist dabei gemein, dass sie eigentlich viel, viel, viel lieber das richtige Finale bestritten hätten, was aber aufgrund eines unerfreulichen Ausgangs des Halbfinales leider nicht möglich ist. Dieses Motivationsdefizit führt dazu, dass immer wieder die Streichung des Spiels vom Turnierplan gefordert wird. Zuletzt sprach sich nach der Niederlage Marokkos gegen Frankreich bei der Fußball-WM in Katar die Trainerin des deutschen Frauen-Fußball-Nationalteams, Martina Voss-Tecklenburg, im ZDF dafür aus, künftig darauf zu verzichten. Bei Fußball-Europameisterschaften gibt es seit 1984 kein kleines Finale mehr. Kernargument der Gegner: Der lahme Zock der Enttäuschten lohnt die Mühe nicht. Andererseits kann das kleine Finale auch eine große Freude sein. Überraschungsmannschaften wie jetzt Marokko tragen bei einem Sieg immerhin das Äquivalent einer olympischen Bronzemedaille heim. Bei der WM 1998 errang übrigens Kroatien - Marokkos Gegner an diesem Samstag - damals sensationell Platz 3 und wurde zu Hause stürmisch umjubelt.
Aktuelles LexikonKleines Finale

Müde Nummer, die abgeschafft gehört, oder Schmankerl fürs Gefühl - darüber ist sich die Fußballwelt nicht einig.
Von Joachim Käppner