Was in Europa und Russland die Rötelmaus tut, übernimmt in Südamerika die Zwergreisratte: Sie überträgt das Hantavirus über Speichel, Ausscheidungen oder direkten Kontakt auf Menschen. In Argentinien, wo das vom Virus heimgesuchte Kreuzfahrtschiff Hondius ablegte, ist die Langschwanz-Zwergreisratte das größte Virusreservoir. Obwohl sie und die Rötelmaus gleichermaßen possierlich aussehen, mit Knopfaugen und runden Öhrchen, birgt die südamerikanische Zwergratte die weitaus größere Gefahr. Der Virusstamm namens Andes, dem sie als Wirt dient, kann bei Menschen ein Syndrom an Herz und Lunge auslösen, das laut der Weltgesundheitsorganisation in 20 bis 40 Prozent der Fälle tödlich verläuft. Bei einer Ansteckung mit dem Puumala-Stamm aus mitteleuropäischen Rötelmäusen sind schwere Verläufe hingegen selten, tödlich enden weniger als 0,1 Prozent der Infektionen. Langschwanz-Zwergreisratten leben an einigen Flussläufen, die Argentinien zum Atlantik durchqueren, und entlang der Anden. Dort finden sie Schutz in den dichten Bambussträuchern der gemäßigten Wälder. Noch häufiger sind sie in Chile. Zu ihrem nur zehn Zentimeter langen Körper passt ihr zweiter Name: Chilenische Waldmaus.
Aktuelles LexikonWoher stammt die Langschwanz-Zwergreisratte?

Ihr Körper ist lediglich zehn Zentimeter lang, aber unter Umständen voll der Gefahr – etwa als Wirt des Hantavirus.
Von Theresa Palm