Mecklenburg-Vorpommern:Erst die Frau, dann die Partei

Wahlkampfabschluss der SPD MV - Schwesig in Wismar

Manuela Schwesig, Gewinnerin in Mecklenburg-Vorpommern.

(Foto: Danny Gohlke/dpa)

Manuela Schwesig kann sich den Koalitionspartner aussuchen. Gut möglich, dass dieser Erfolg die populäre Ministerpräsidentin noch viel weiter führt.

Kommentar von Peter Burghardt

Es war noch das 20. Jahrhundert, als im deutschen Nordosten eine verblüffende Serie begann. 1998 gewann die SPD das erste Mal in Mecklenburg-Vorpommern, am Anfang der fernen Kanzlerschaft von Gerhard Schröder. Seitdem regieren die Sozialdemokraten dort oben, länger sind sie nur in Brandenburg, Bremen und Rheinland-Pfalz an der Macht. Manuela Schwesig wird das Abonnement nun sehr deutlich verlängern, die Hochrechnungen signalisierten am Sonntagabend einen klaren Wahlsieg. Wer nach einer Erklärung sucht, der landet diesmal weniger bei der SPD als bei ihr, der Ministerpräsidentin.

Natürlich ist eine Amtsinhaberin gegenüber ihren Herausforderern von Haus aus im Vorteil, wenn die Bilanz halbwegs stimmt. Doch so ungefährdet war ein Erfolg selten bei einer Landtagswahl. Schwesig gegen Michael Sack, damit ist schon fast alles gesagt.

In der CDU fand sich keiner, der mit Erfolgsaussicht hätte antreten können

Die SPD hat auf die richtige Frau gesetzt, als Manuela Schwesig 2017 das Bundesfamilienministerium verließ, um den erkrankten Ministerpräsidenten Erwin Sellering abzulösen. Ihr Juniorpartner CDU ist in der rot-schwarzen Koalition seitdem immer weiter abgeschmiert und bot in der Not den weithin unbekannten Sack auf, Landrat von Vorpommern-Greifswald. Es fand sich keiner, der mit mehr Aussicht auf Erfolg hätte kandidieren können.

Erst sollte Philipp Amthor antreten. Der Bundestagsabgeordnete von der Mecklenburgischen Seenplatte wollte CDU-Landesvorsitzender und Spitzenkandidat werden, ehe ihn eine Lobbyaffäre ausbremste. Dazu kam der Waffenskandal von Lorenz Caffier, bis zu seinem Rücktritt Innenminister und Schwesigs Stellvertreter. Die zuverlässigste Figur der CDU in Mecklenburg-Vorpommern blieb stets Angela Merkel, aber die scheidende Bundeskanzlerin lässt ja nun auch ihren Wahlkreis 15 zurück. Die SPD dagegen konzentrierte ihren Wahlkampf dermaßen auf ihre Schweriner Regierungschefin, dass das Logo der Partei hinter dem Gesicht der Kandidatin verschwand. Da war mehr Schwesig als SPD.

Die Ministerpräsidentin ist gereift auf ihrem Posten, sie hat die Pandemie in ihrem Bundesland gemeistert und ihre Krankheit nach eigener Aussage bewältigt. Ihre Bundesämter in der SPD gab sie während der Krebstherapie auf, in der Staatskanzlei und an der Landesparteispitze machte sie weiter. Das und ihre besonnene wie bestimmte Art kommen an. Es schadet ihr auch nicht, dass sie die weltweit umstrittene Gas-Pipeline Nord Stream 2 unterstützt, im Gegenteil. Viele Menschen in Mecklenburg-Vorpommern haben ohnehin den Eindruck, Russland werde von Deutschland schlecht behandelt.

Jetzt muss Schwesig die Probleme ihres Bundeslands anpacken

Die Probleme ihres Landes scheinen Schwesig kaum zu schaden, doch sie wird sich zupackender damit befassen müssen. Funklöcher, Lehrermangel, rechtsextreme Netzwerke, offenbar bis hinein in den Verfassungsschutz. Schlechte Löhne, fehlende Busse, halb ausgestorbene Dörfer, Werftenkrise - es gibt allerhand zu tun in der weiten, dünn besiedelten Ferienregion, der Polen mancherorts näher ist als Schwerin oder Berlin. Die AfD spielt vor allem in der Provinz eine bedeutende Rolle.

Ihren nächsten Koalitionspartner kann sich die Wahlsiegerin aussuchen - entweder erneut die schwache CDU oder die ebenfalls stark geschrumpfte Linke. Schwesig jedenfalls gewinnt in der SPD auch bundesweit wieder an Gewicht. Eine Frau, relativ jung, politisch erfahren und derzeit ziemlich beliebt; die könnte sich der eine oder die andere auch an der künftigen Parteispitze vorstellen.

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