Kuba:Insel ohne Hoffnung

Die Proteste gegen die Regierung zeigen, wie verzweifelt die Lage in dem Land ist.

Von Christoph Gurk

Es heißt, die Kubaner hätten ihre Angst verloren. Am Sonntag gingen Tausende von ihnen auf die Straße, gegen Hunger und lange Schlangen vor den Läden, gegen Repression und die Regierung. Es waren die größten Demonstrationen seit Jahrzehnten auf der Insel und es steht außer Frage, dass da etwas im Gange ist.

Allein: Angst dürften viele Kubaner immer noch haben. Es gab Hunderte Verhaftungen am Sonntag, viele Menschen sind auch jetzt noch, Tage später, einfach verschwunden. Es drohen Haft und empfindliche Strafen. Es ist also keineswegs so, dass man das Regime in Havanna nicht mehr fürchten muss. Im Gegenteil. Die Proteste haben weniger mit Mut als mit Verzweiflung zu tun. Die Lage in Kuba war schon vor der Covid-Pandemie angespannt, nun aber ist sie katastrophal. Zu Misswirtschaft und brutalen US-Sanktionen kommt der Wegfall der wirtschaftlich so wichtigen Touristen.

Lange konnte Kuba zumindest den Erreger halbwegs kontrollieren. Das Ärztenetz auf der Insel ist gut ausgebaut, dazu wird geimpft, mit einem selbst entwickelten Vakzin. Dennoch aber schnellen nun die Infektionszahlen in die Höhe, Krankenhäuser sind überlastet. Die Schlangen vor den Läden sind lang, die Not ist groß, es fehlt an allem. Die Kubaner haben also nicht ihre Angst verloren - sondern ihre Hoffnung.

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