Kriminalität:Steuerhinterziehung ist Betrug an den Bürgern

Euroscheine/Geldscheine

Deutschlands Banken horten viel Geld von Menschen, die längst verstorben sind. Die Nachfahren wissen davon oft nichts.

(Foto: Jens Schicke/imago images)

Wer Steuern hinterzieht, betrügt Freunde, Familie, ja die Allgemeinheit. Die Strafen schrecken aber kaum ab.

Kommentar von Cerstin Gammelin

Die jüngsten Rekordzahlen zur Steuerhinterziehung in Deutschland belegen, dass es mit der Steuermoral nicht weit her ist. Das Verstecken von Steuern wird zwar in Sonntagsreden hart angegangen, im Alltag aber zu oft als Kavaliersdelikt akzeptiert. Es überwiegt das Verständnis, hinterzogene Steuern schadeten ja "nur" dem Staat. Doch der Staat, das sind alle Bürger. Wer Steuern hinterzieht, betrügt Nachbarn, Freunde, Familie, ja die Allgemeinheit.

Begünstigt wird die Steuerhinterziehung durch Gesetze, die einem Flickenteppich gleichen. Die Union hat sich lange gesträubt, eine EU-Vorschrift zur Anzeigepflicht ausländischer Steuersparmodelle umzusetzen. Diese Pflicht setzt an der Quelle des Übels an. Steuerberater müssen melden, wenn sie Steuersparmodelle fürs Ausland entwerfen. Die SPD wollte die Pflicht auf inländische Verschiebebahnhöfe ausdehnen - scheiterte aber an der Steuerberaterlobby von CDU und CSU.

Löchrig sind auch die Vorschriften für multinationale Konzerne, Umsätze und Gewinne aller Tochterunternehmen aufzulisten. Die Praxis zeigt zudem, dass Strafen, die auf Steuerhinterziehung im großen Stil stehen, nicht abschrecken. Die bittere Wahrheit ist, dass jemand, der im Supermarkt klaut, oft als größerer Betrüger gilt als Egoisten, die sich auf Kosten aller bereichern.

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