Die türkische Kleinstadt İznik südlich von Istanbul trug in der Antike den Namen Nicäa. Hier wollte am Freitag Papst Leo XIV. mit dem griechisch-orthodoxen Patriarchen Bartholomaios I. gemeinsam beten und an das Konzil von Nicäa vor 1700 Jahren erinnern. Erstmals hatten sich dort im Jahr 325 nach Christus Kirchenvertreter versammelt, um eine zentrale Streitfrage zu klären: Wer ist Jesus Christus? Ist er wirklich Gott, oder ist er nur ein besonderer Mensch? Um die Diskussionen zu beenden, wohl aber auch, um sein Reich zu einen, rief der erste christliche Kaiser, Konstantin I., mehr als 200 Bischöfe aus dem ganzen Römischen Reich zusammen zur ersten Kirchenversammlung. Das Konzil von Nicäa dauerte von Mai bis August, am Ende stand der Beschluss, der die theologisch komplizierte Trinitätslehre festlegte: Jesus ist göttlich, und Gott ist einer, existiert aber zugleich in drei Formen, nämlich als Vater, Sohn und Heiliger Geist. In Nicäa schufen die Konzilsväter die textliche Grundlage für ein Glaubensbekenntnis, das bis heute in den meisten Kirchen gültig ist: das Große oder nizäno-konstantinopolitanische Glaubensbekenntnis. Und sie trafen eine weitere Regelung, die bis heute gilt: Ostern ist immer am Sonntag nach dem ersten Frühjahrsvollmond.
Aktuelles LexikonKonzil von Nicäa

Im Jahr 325 nach Christus hatten sich erstmals Kirchenvertreter versammelt, um eine zentrale Streitfrage zu klären: Wer ist Jesus Christus? Ist er wirklich Gott, oder ist er nur ein besonderer Mensch?
Von Annette Zoch
