MeinungWirtschaftEuropa wird kein russisches Gas mehr importieren, aber der Schaden ist angerichtet

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Kommentar von Josef Kelnberger

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Russlands Präsident Wladimir Putin beim Besuch einer Gasförderanlage von Gazprom (2023): Er hielt Europa energiepolitisch in Schach.
Russlands Präsident Wladimir Putin beim Besuch einer Gasförderanlage von Gazprom (2023): Er hielt Europa energiepolitisch in Schach. (Foto: Mikhail Metzel/dpa)

Viel zu lange war der Kontinent abhängig von fossilen Energien aus Putins Reich. Das lässt sich auch mit einer richtigen Entscheidung kurzfristig nicht mehr gutmachen.

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben, lautet eine alte Weisheit, die Michail Gorbatschow zugeschrieben wird. Ob der sowjetische Staatsmann sie genau in diesen Worten formuliert hat, als er Reformen in der DDR und anderen kommunistischen Staaten anmahnte, ist unter Historikern umstritten. Aber der Kern der Botschaft kommt seinem Nachfolger Wladimir Putin zugute: Der Schaden, den eine falsche Strategie anrichtet, lässt sich kurzfristig nicht mehr beheben. Deshalb wird die Europäische Union jetzt vom Leben hart bestraft für ihre Abhängigkeit von russischem Gas und Öl.

Zu spät kommt der in der Nacht zum Mittwoch gefasste Beschluss der EU, spätestens 2028 keine fossile Energie mehr aus Russland zu beziehen. Wladimir Putin hat vor allem die Abhängigkeit Deutschlands von russischem Gas lange Zeit genutzt, um Europa politisch in Schach zu halten. Mit den Einnahmen finanzierte er sein Aufrüstungsprogramm, das er für den Angriff auf die Ukraine nutzte. Und auch wenn sich die Europäer seither Zug um Zug aus der Abhängigkeit befreiten, so fließen doch bis zum heutigen Tag viele Milliarden Euro nach Russland. Zudem hatte Putin ausreichend Zeit, sich andere Abnehmer zu suchen.

Und doch hat die EU Bemerkenswertes geleistet

Die EU hat seit Beginn des russischen Angriffskrieges zweifellos Bemerkenswertes geleistet. Bis dahin hätte man es für schier unmöglich gehalten, dass Europa auch nur einen Winter ohne Energie aus Russland überstehen würde. Mittlerweile hat sie drei Winter überstanden. Sie hat neue Versorgungswege für Öl und Gas gefunden, zugleich den Ausbau der Erneuerbaren vorangetrieben, sich über eine gemeinsame Energiepolitik verständigt, die Europa autark machen soll. Aber der Preis für den schnellen Umbruch ist hoch. Die Energiekosten sind gestiegen, die Wirtschaft lahmt, die Gesellschaften stehen unter Stress. Den höchsten Preis für den späten Strategiewechsel aber bezahlt nach wie vor die Ukraine.

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