Sicherheitspolitik:Eine unmoralische Idee

Sicherheitspolitik: Endlich alles stoppen, was dieser Mann verbricht - aber wie?

Endlich alles stoppen, was dieser Mann verbricht - aber wie?

(Foto: Fabian Sommer/dpa)

Nach zwei Jahren russischen Kriegs gegen die Ukraine sieht der Westen derzeit panisch und schwach aus. Mit Putin zu verhandeln, erscheint grundfalsch und ist unmöglich. Nachdenken muss die Politik darüber dennoch.

Kolumne von Heribert Prantl

Marsilius von Padua war nicht Teilnehmer der Münchner Sicherheitskonferenz. Er ist schon lange tot; er veröffentlichte sein berühmtes Werk "Der Verteidiger des Friedens" vor 700 Jahren. Erwähnenswert ist dieser Staatstheoretiker nicht, weil sein Opus inhaltlich viel zu den Münchner Debatten hätte beitragen können. Erwähnenswert ist Marsilius, weil er ein Zeuge dafür ist, dass im Streit über Krieg und Frieden die Unerschrockenheit notwendig ist, Indiskutables zur Diskussion zu stellen. Das tat Marsilius in einer für die damalige Zeit ziemlich polemischen Form; er wurde, weil er die Macht von Klerus und Kirche infrage stellte, zum Ketzer erklärt. Heute gilt als Ketzer derjenige, der, um den Krieg in der Ukraine zu beenden, die Möglichkeit eines Verhandlungsfriedens mit Putin in Betracht zieht - zumal nach der Nachricht vom Tod des Putin-Gegners Alexej Nawalny. Wer hat da, mitten in der Diskussion, die sich auf den Auf- und Ausbau von Kriegstüchtigkeit, auf Kampfpanzer und Marschflugkörper konzentriert, die Chuzpe zu sagen, dass man auch mit einem mordenden Staatsverbrecher verhandeln soll?

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