Süddeutsche Zeitung

Klimaschutz:Harmonie hier, Harmonie dort

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Xi Jinping will keine Kohlekraftwerke mehr im Ausland bauen. Das ist ein großer Schritt. Aber daheim bleibt Peking noch einiges schuldig.

Von Michael Bauchmüller

Wenn Entwicklungsländer frische Energie brauchten, war China immer schnell zur Stelle. Chinesische Arbeiter errichteten ganze Kohlekraftwerke, den Brennstoff lieferte Peking gleich mit. Mochte die Welt noch so viel über den Klimaschutz reden, über alternative Entwicklungspfade, über Fehler des Nordens, die sich nicht wiederholen dürften: Mit chinesischem Geld entstanden in vielen Ländern Asiens und Afrikas Kohlekraftwerke, die auf Jahrzehnte hin die Atmosphäre belasten. Die Regierung in Peking tönte längst groß über den Kampf gegen die Erderwärmung, da betonierte sie in vielen armen Ländern noch den Weg ins Verderben.

Damit soll Schluss sein, hat Präsident Xi Jinping nun angekündigt. Der "Harmonie zwischen Mensch und Natur" zuliebe will er künftig keine Kohlekraftwerke im Ausland mehr bauen; stattdessen will China Entwicklungsländern beim Aufbau grüner und klimafreundlicher Energien helfen. Der Schritt war überfällig, und er kann tatsächlich Entwicklungspfade verändern: Wer Hilfe beim Bau eines Kohlekraftwerks sucht, wird sie in Zukunft nirgends mehr finden. Europa, die USA, die internationalen Entwicklungsbanken, zuletzt auch Japan und Südkorea: Keiner steckt mehr Geld in derlei Kohleprojekte. Die Kohle wird zusehends zum Auslaufmodell.

China bleibt einstweilen der weltgrößte Verursacher von Treibhausgasen

Dennoch sind es billige Punkte, die China derzeit sammelt. Denn was das Land selbst zur Harmonie von Mensch und Natur beisteuern will, das lässt Xi im Ungefähren. Fast alle großen Industrieländer haben Pläne im Kampf gegen die Erderwärmung vorgelegt, selbst viele große Schwellenländer. Der weltgrößte Verursacher von Treibhausgasen aber belässt es bei der vagen Aussicht, irgendwann "vor" 2030 den Gipfel seiner Emissionen zu erreichen. Was das konkret bedeutet, was Peking dafür tun will, das bleibt offen. Auch Xis Kohle-Ankündigung darf darüber nicht hinwegtäuschen. Denn so schön es ist, wenn China künftig auf den Export von Klimaschäden verzichtet: Entscheidend ist die Harmonie im eigenen Land.

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