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Klimagipfel:Der Weg zur Klimarettung ist da, man muss ihn nur gehen

Beim Klimagipfel zeigt sich: Ein motivierter US-Präsident kann viel erreichen. Auch wenn große Lücken bleiben: Lange gab es nicht mehr so viel Grund zu Optimismus wie jetzt.

Kommentar von Marlene Weiß

Die USA sind zurück auf der internationalen Klimabühne, mit aller Macht und allem Einfluss, die Präsident Joe Biden zur Verfügung stehen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger als das ist ein Fazit des virtuellen Klimagipfels, zu dem Biden etwa 40 Staats- und Regierungschefs gebeten hatte.

Dass das Engagement eines neuen US-Präsidenten nicht nichts ist, zeigen die Zusagen, die Biden einsammeln konnte. Biden selbst will die Emissionen der USA bis 2030 auf die Hälfte des Niveaus von 2005 drücken. Andere zogen nach, teils sicherlich unter dem Druck der Gruppe: Das ohnehin schon ehrgeizige Großbritannien hat ein neues Ziel für 2035 verkündet, die EU hat sich gerade noch rechtzeitig auf 55 Prozent bis 2030 geeinigt, Japan hat sein zuvor sehr schwaches Ziel für 2030 annähernd verdoppelt, Kanada hat nachgebessert, Südkorea ein neues Ziel angekündigt. Und selbst von China kam immerhin die kryptische Aussage, man wolle den Zuwachs des Kohleverbrauchs "strikt begrenzen". Das ist zum Auftakt von diversen Klimaverhandlungen über die kommenden Monate bis zum UN-Klimagipfel im November in Glasgow kein schlechter Stand.

Die einzige Chance: Die Emissionen müssen auf null sinken

In den vergangenen Jahren hat sich das Bild verändert, was Klimazusagen angeht. Während es selbst nach der Einigung auf das historische Paris-Abkommen lange bei eher bescheidenen Ankündigungen blieb, hat sich zuletzt ein Sog entfaltet, der dazu geführt hat, dass inzwischen viele große Emittenten Klimaneutralität versprochen haben. Für das Klima wäre das entscheidend. Kurz- und mittelfristige Reduktionen sind fein, aber erst, wenn die Menschheit aufhört, Treibhausgase in die Luft zu pumpen, kann sich der Planet stabilisieren. Die einzige Chance für eine langfristig halbwegs intakte Erde besteht darin, noch in diesem Jahrhundert die Emissionen auf null zu bringen. Je früher, desto besser - aber physikalisch ist die grüne Null das Ziel, das zählt.

Mangelware blieben jedoch klare Aussagen, wie all die schönen Klimaneutralitätsversprechen eingehalten werden sollen. Das Jahr 2050 oder gar 2060 als Ziel ist ja noch eine Weile hin, gerade in der politischen Zeitrechnung. In dieser Hinsicht hat Bidens Klimagipfel nun weitere Fortschritte gebracht - wer bis 2030 ein Ziel erreichen will, muss heute entsprechende Maßnahmen ergreifen, und bewegt sich so immerhin in die richtige Richtung.

Der CO₂-Preis muss stetig steigen, ob per Emissionshandel oder Steuer

Noch bleiben große Lücken. Es fällt schwer, ehrgeizigen Zielen zu vertrauen, wenn sie nicht von einem stetig steigenden CO₂-Preis begleitet werden, ob per Emissionshandel oder Steuer. Das ist nach wie vor das effektivste und zuverlässigste Klimaschutzinstrument. Aber ob und wann sich etwa ein US-Kongress dazu durchringen kann, Bidens neues Klimaziel auf diese Weise abzusichern, steht in den Sternen.

Und doch gab es lange nicht mehr so viel Grund zu Optimismus wie jetzt. Vielerorts sind erneuerbare Energien günstiger als fossile, die Elektromobilität kommt voran, eine Wasserstoffwirtschaft entsteht, Techniken wie "Direct Air Capture", mit der man CO₂ aus der Luft filtern kann, machen Fortschritte. Vielleicht zum ersten Mal überhaupt liegt der Weg Richtung Klimaneutralität ziemlich gut ausgeschildert und beleuchtet da.

Die Welt muss ihn nur noch gehen.

© SZ/kia
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