bedeckt München

Kinderporno-Affäre:Fall Edathy rückt SPD in unvorteilhaftes Licht

Hartmann - Untersuchungsausschuss

Der Bundestagsabgeordnete Michael Hartmann (SPD) sagt als Zeuge im Untersuchungsausschuss zur Edathy-Affäre aus.

(Foto: dpa)

Klar ist nur, dass nichts klar ist: Im Fall Edathy lügt mindestens einer der beteiligten Sozialdemokraten. Die größte Last trägt der Abgeordnete Hartmann. Erweisen sich seine Aussagen als unwahr, könnte er führende Genossen mit ins Verderben ziehen.

Kommentar von Nico Fried

Nach mehr als 13 Stunden Vernehmungen im Untersuchungsausschuss zur Edathy-Affäre ist nur klar, dass nichts klar ist. Mindestens einer der Beteiligten lügt. Wenn es nur einer sein sollte, wäre es ein Lügner mit krimineller Energie. Sein Name wäre Sebastian Edathy. Wenn aber stimmt, was der frühere Abgeordnete über das Wissen zu Ermittlungen gegen ihn und dessen Weitergabe erzählt, dann reichen die Finger einer Hand nicht aus, um die Lügner zu zählen. Alle wären Sozialdemokraten.

Michael Hartmann, über den Edathy sagt, er habe ihn mit Informationen gefüttert, trägt die größte Last. Wenn sein Dementi sich als unwahr erweist, könnte er führende Genossen mit ins politische Verderben ziehen. Das mag ein Grund für Hartmanns fahrigen Auftritt im Ausschuss gewesen sein. Edathys Glaubwürdigkeit wiederum wird durch sein Faible für Bilder nackter Kinder, seine schwer erträgliche Selbstgerechtigkeit und die Tatsache untergraben, dass er bislang viel behauptet, aber nichts beweist.

Die SPD rückt der Fall Edathy, unabhängig von der Wahrheit, in ein unvorteilhaftes Licht. Es geht der Partei als Ganzes im Grunde so wie Edathy als Einzelperson: Schon der Verdacht hinterlässt einen Makel, den man schwer wieder loswird. Die SPD wird nun als besonders abstoßendes Exempel für Karrierismus, Missgunst und Intrige wahrgenommen, obwohl es alles das zweifellos auch in anderen Parteien gibt. Und angeblich sogar hie und da im richtigen Leben.

© SZ vom 20.12.2014/mane
Zur SZ-Startseite