Kinderarbeit ist nicht gleich Kinderarbeit. Wenn pubertierende Jugendliche etwa ihren Eltern vorwerfen, es sei doch Kinderarbeit, den Müll rausbringen oder die Spülmaschine ausräumen zu müssen, liegen sie mit dieser Provokation natürlich falsch. Als Kinderarbeit gilt, wenn die Arbeit der körperlichen und geistigen Entwicklung der Kinder und Jugendlichen schadet. Oder diese Arbeit sie daran hindert, die Schule zu besuchen. Auf das Ausräumen der Spülmaschine trifft das alles nicht zu. Sehr wohl aber bei der Arbeit unter Tage, beim Tragen schwerer Lasten, beim Umgang mit gefährlichen Chemikalien, beim Schmuggeln von Drogen. Doch in jüngster Vergangenheit ist eine neue Art von Kinderarbeit entstanden, wie das Kinderhilfswerk Terre des Hommes anprangert: die Vermarktung von Kindern auf Apps wie Instagram, Tiktok oder Youtube. Eine eher harmlose Form, könnte man meinen – aber nur auf den ersten Blick. Denn manche dieser Familien-Influencer-Eltern filmen wie im Roman „1984“ von George Orwell das ganze Leben ihrer Kinder. Wie diese essen, wie diese lernen, wie diese sich anziehen, einfach alles. Das private Zuhause wird zum öffentlichen Raum, ohne Rückzugsort. Und auch das kann Kinderarbeit sein.
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Mancher Pubertierende empfindet schon das Ausräumen der Spülmaschine als solche. Dabei schuften andere Gleichaltrige unter Tage – oder werden im Internet vermarktet.
