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Katholische Kirche:Ein weiter Weg

Nur langsam dringt der Reformprozess zum Kern des Problems vor: Missbrauch. Die Entschuldigung von Kardinal Woelki zeigt, wie mühevoll echte Erkenntnis ist.

Von Annette Zoch

Eigentlich hat der Synodale Weg erst jetzt richtig begonnen. Zwar wird bei diesem katholischen Reformprozess schon seit mehr als einem Jahr diskutiert und auch gestritten. Im Rucksack des "Pilgernden Volkes Gottes in Deutschland", wie Papst Franziskus es ausgedrückt hat, sind viele schwere Brocken: Es wird debattiert über den Zölibat, die Rolle der Frauen, die katholische Sexuallehre, über Macht und Gewaltenteilung. Aber wo die Wanderung ihren Anfang nahm - im tausendfachen Missbrauch von Kindern, Jugendlichen und Schutzbefohlenen durch katholische Kleriker -, das haben die Synodalen unterwegs offenbar vergessen.

Erst jetzt, mehr als ein Jahr nach Beginn des Wegs, sollen Betroffene sexualisierter Gewalt gehört und eingebunden werden. Das war höchste Zeit, denn nur wenn man weiß, woher man kommt, weiß man auch, wohin es gehen soll. Sonst führt der Weg nur im Kreis herum. Die skandalös missglückte Aufarbeitung des Missbrauchs im Erzbistum Köln ist das beste Beispiel. Ausgerechnet einer der größten Kritiker des Synodalen Wegs, der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki, entschuldigt sich nun in diesem Forum für seine Fehler - in der Ich-Form. Sein sichtbares Ringen damit und das ostentative Fernbleiben manch anderer Bischöfe zeigt, wie weit der Weg zu echter Erkenntnis und Aufarbeitung noch ist.

Und: Den Betroffenen nur zuzuhören reicht nicht mehr. Man muss sich von ihnen auch den Weg weisen lassen. Ob es den Bischöfen und Laien damit ernst ist, zeigt sich am 18. März. Dann wird das neue Kölner Gutachten veröffentlicht.

© SZ/jok
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