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Katar:König der Lüfte

First Airbus A350 XWB delivered to Qatar Airways

Akbar al-Baker führt Qatar Airways seit 1997.

(Foto: Guillaume Horcajuelo/picture alliance / dpa)

Der Deutsche Fußballbund möchte Qatar Airways als Sponsor gewinnen. Doch das Unternehmen ist umstritten - was auch an seinem Chef Akbar al-Baker liegt.

Von Paul-Anton Krüger

Die Karriere von Akbar al-Baker und der Aufstieg des Emirats Katar weisen Parallelen auf - im Guten wie im Schlechten. Überragte vor 30 Jahren nur das Sheraton Hotel die Strandpromenade von Doha am Persischen Golf, so betrieb Qatar Airways 1997 gerade einmal vier Flugzeuge, als der 1962 geborene al-Baker dort Chef wurde. Heute besitzt Doha eine glitzernde Skyline, mutige architektonische Würfe sind darunter. Und Qatar Airways treibt weltweit als eine der führenden Fluggesellschaften die Branchengrößen aus den USA und Europa vor sich her - mit unlauteren Mitteln, wie die Konkurrenten mit Verweis auf Subventionen klagen.

Vor der Fußballweltmeisterschaft im kommenden Jahr, um deren Vergabe an Katar der Ruch der Korruption weht, würde der Deutsche Fußball-Bund (DFB) das Unternehmen gerne als Sponsor gewinnen - damit gerät unweigerlich die Frage nach Menschenrechten in den Fokus. Dass der DFB sich diesen verpflichtet sieht, ließ er die Nationalspieler im März beim Spiel gegen Island demonstrieren: Der Schriftzug "Human Rights" war damals auf den Trikots zu lesen.

Das Unternehmen geht wohl ruppig mit Angestellten um

Katar sieht sich seit Langem Vorwürfen ausgesetzt, die Infrastruktur für die WM ebenso wie den von al-Baker verantworteten Flughafen von Doha mit dem Blut Hunderttausender Arbeiter aus Asien und arabischen Staaten gebaut zu haben, die sich bei mörderischer Hitze schinden mussten, untergebracht in Verschlägen. Tausende sollen gestorben sein, wobei entsprechende Analysen daran kranken, den Zusammenhang nicht zweifelsfrei nachweisen zu können.

Katar hat inzwischen die fortschrittlichste Arbeitsgesetzgebung der Golfstaaten, das erkennt der Internationale Gewerkschaftsbund an. Es gibt einen Mindestlohn, und das Kafala-System, das Arbeiter quasi zu Leibeigenen der Arbeitgeber machte, ist offiziell abgeschafft: Arbeiter sollen den Arbeitgeber wechseln und das Land verlassen können. Menschenrechtsorganisationen sind kritischer und monieren etwa auch Beschränkungen der Meinungsfreiheit oder die Diskriminierung von Frauen und Angehörigen der LGBTQ-Gemeinschaft. Die Frage ist, ob Qatar Airways dafür in Haftung genommen werden kann, soll, muss.

Das Unternehmen wurde in der Vergangenheit für den Umgang mit seinen Mitarbeitern kritisiert. Wurden Flugbegleiterinnen schwanger, mussten sie mit dem Verlust ihres Jobs rechnen. Manche kritikwürdige Punkte hat al-Baker ändern lassen, andere nicht - vor allem nicht seinen Führungsstil. Er leite das Unternehmen autoritär wie ein Königreich, sagen Branchenkenner. Wer Fehler macht, fliegt schnell raus.

Die Lufthansa hat Akbar al-Bakers Offerten für einen Einstieg abgewiesen

Akbar al-Baker weist gerne darauf hin, dass er Geschäft und Politik getrennt halten will. Doch Qatar Airways gehört dem Staat. Der Aufstieg Katars ist wie das Wachstum der Fluggesellschaft finanziert durch die Einnahmen aus dem Gasexport. Wie die Fußball-WM ist die Airline Teil einer Strategie der Sichtbarkeit. Emir Tamim bin Hamad al-Thani, zu dessen Vertrauten al-Baker zählt, darf sich nach der von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten angeführten Blockade gegen Katar darin bestätigt sehen, dass nur internationale Aufmerksamkeit das Überleben des Emirats garantiert - und vielleicht der US-Luftwaffenstützpunkt al-Udeid.

Akbar al-Baker, über dessen Privatleben kaum etwas bekannt ist, flog anfangs mit seinen Maschinen Lebensmittel aus Iran ein, selbst Milchkühe gingen an Bord. Er sah das als patriotische Mission - und war nicht verlegen, Riad und Abu Dhabi scharf zu kritisieren. Bei den Flugzeugherstellern ist er wegen seines rauen Tons berüchtigt. Neue Jets bezeichnet er schon mal als "Schrott" und verweigert die Abnahme, weil die Farbe des Teppichs nicht passt. Die Lufthansa hat seine Offerten für einen Einstieg brüsk abgewiesen. Sie jetzt beim DFB aus dem Geschäft zu nehmen, würde ihm zweifellos Genugtuung bereiten.

© SZ/kia
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