Zu den Dingen, die man in Deutschland sehr falsch machen kann, gehört: den Mainzern sagen, dass man zu ihrem Karneval kommt, oder sich vor Kölnerinnen auf die Fastnacht freuen. Fremder als auf diese Weise kann man sich kaum präsentieren. Die Feierlichkeiten mögen einander gleichen, aber auf den eigenen Begriff legt jede Region Wert. Karneval heißt es im Rheinland und Fastnacht im Südwesten, also in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, im Saarland und auch in Hessen. Fastnacht, das Wort, hat seinen Ursprung im Mittelalter, im mittelhochdeutschen „vastnaht“ und im mittelniederdeutschen „vastnacht“. Damit wurde der Vorabend der vierzigtägigen Fastenzeit bezeichnet. Sprachlich verwandt ist der Fasching, der unter anderem im mittelhochdeutschen „vastschanc“, dem Fastschank, wurzelt. Bayern und Österreicher meinen womöglich, diese Bezeichnung gehöre allein ihnen. Falsch gemeint: In Kiel lädt die Karnevalsgesellschaft Fidelitas für nächsten Samstag zu „Fasching pur“. Und die Kölner akzeptieren zwar den Begriff Karneval. Eigentlich aber feiern sie „Fastelovend“, also Fastnacht. Zu den Unterschieden zwischen Alaaf und Helau dann im kommenden Jahr.
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... oder lieber Karneval? Oder Fasching? Oder Fastelovend? Eine kleine Begriffskunde zu Deutschland und seinen Bräuchen.
Von Detlef Esslinger
