Süddeutsche Zeitung

Kanzlerkandidatur:Die CDU setzt auf Söders Größe

Armin Laschet? Markus Söder? Noch ist keine Entscheidung gefallen. Dass das CDU-Präsidium sich nun für Laschet ausspricht, wirkt wie ein Affront gegen die Schwesterpartei - ist in Wahrheit aber nur eine sehnliche Bitte an die CSU.

Kommentar von Stefan Braun

Spannung - ja, gerne. Aber Zerwürfnis - bitte nein! Das war der Wunsch von vielen, als in der Union die Debatte über den Kanzlerkandidaten Fahrt aufnahm. Herausgekommen ist nun eine Situation, in der die Union kurz davorsteht, sich nicht zu stärken im Wettstreit der Kandidaten, sondern sich in Gefahr zu bringen für den Wettstreit um die Macht im September. Sieger und Verlierer - das wollten sie vermeiden und müssen nun alles dafür tun, damit sie für beide eine gesichtswahrende Lösung finden.

Dass sich die CDU-Spitze nun "mit breiter Mehrheit" für Armin Laschet ausspricht, sieht dabei zunächst wie ein Affront aus. Immerhin klingt das nicht nur wie eine Vorentscheidung, sondern ist es auch. Zugleich aber hat die Führung der Christdemokraten bewusst keinen Beschluss gefasst, sondern eine Empfehlung ausgesprochen. Das hat einen einzigen Grund: Die CDU möchte unbedingt, dass kein Machtwort der großen Schwester fällt, sondern sich bei der kleinen Schwester die Einsicht durchsetzt.

Ohne die Unterstützung des CDU-Präsidiums wäre Laschet als Parteichef erledigt gewesen

Das bedeutet mitnichten, dass alle Christdemokraten zutiefst der Meinung sind, Laschet sei der viel bessere Kandidat und Söder sollte sich brausen. Es ist der Versuch, für beide Kandidaten eine gesichtswahrende Lösung zu finden. Das mag lustig klingen bei so einem Votum. Und doch ist es genau das: der Versuch, die sehr heikle Situation für die Union friedlich zu einem guten Ende zu bringen.

Denn eines ist klar, ganz jenseits der jeweiligen Stärken und Schwächen: Hätte Laschet diese Unterstützung aus seinem eigenen Präsidium nicht bekommen, dann wäre er als CDU-Chef politisch schon wieder erledigt gewesen. Vor wenigen Monaten nach langem Ringen zum neuen CDU-Chef gewählt und jetzt schon wieder zweiter Mann - das hätte über kurz oder lang kein Parteichef ohne riesige Blessuren überstehen können. Und das hätte nicht nur für ihn persönlich Konsequenzen gehabt, sondern unweigerlich für den gesamten Wahlkampf der Konservativen.

Söder kann auf die Kandidatur verzichten - und doch gewinnen

Aus diesem Grund blieb der CDU wenig anderes übrig. Eng verbunden mit einer Bitte: Markus Söder möge nun mit großem Gestus verzichten. Hierin nämlich besteht der größte Unterschied zwischen den beiden Kandidaten: Der CSU-Chef kann erhobenen Hauptes verzichten, ohne daraus eine Schwäche für sich heraufzubeschwören. Im Gegenteil: Sollte Söder jetzt den großen Mannschaftsspieler geben und im Wahlkampf an die Seite Laschets rücken, könnte das aus Sicht der Union spät, aber nicht zu spät zur Sammlung der Kräfte führen. Ob die Größe da ist und Söder den Mut hat zu verzichten - das muss Markus Söder jetzt ganz für sich entscheiden.

Eines freilich könnte ihm dabei helfen: die Chance auf eine ganz neue Art der Heldengeschichte. Selten jedenfalls hatte es ein CSU-Chef derart selbst in der Hand, der gute Geist der Union zu werden. Einer, der den Laden zusammenhält; und einer, der im Namen des Ganzen den eigenen Ehrgeiz zurückstellt. Gut möglich, dass ein Söder daraus gleich die nächste große Erzählung zur Mehrung des eigenen Ruhms macht. Aber selbst das dürfte ihm bei der CDU keine Gegner schaffen, sondern viele neue Freunde einbringen.

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