Mein älterer Sohn nutzt Chat-GPT, um für Schularbeiten zu lernen. Oft höre ich durch die Tür seines Jugendzimmers, wie er die künstliche Intelligenz (KI) des Softwareunternehmens OpenAI anweist, Tabellen mit unregelmäßigen Verben zu erstellen oder Rechnungen zu überprüfen. Als Anfang des Jahres bekannt wurde, dass OpenAI-Präsident Greg Brockman im vergangenen Jahr 25 Millionen Dollar an US-Präsident Donald Trump spendete und Chat-GPT von der US-Einwanderungsbehörde ICE für ihre Abschiebungen sowie vom Pentagon für die Entwicklung von KI-Waffen genutzt werden darf, löschte ich mein Konto und eröffnete ein neues bei einem europäischen Anbieter. Dann versuchte ich, meinen Sohn davon zu überzeugen, es mir gleichzutun. Doch er winkte ab. Was bringe es denn, wenn er sich abmelde, sagte er. Ein Mensch mehr oder weniger mache keinen Unterschied.
MeinungJugendWenn man schon nicht die Welt retten kann, dann wenigstens den eigenen Körper
Kolumne von Nava Ebrahimi
Lesezeit: 4 Min.

Junge Menschen machen mitunter den Eindruck, sich für wenig zu interessieren, außer für sich selbst. Womöglich liegt das daran, dass ihnen das „große Ganze“ zu undurchschaubar geworden ist. Also, was tun? Zum Beispiel an die Klimmzugstange flüchten.
