Gewerkschaften:Das neue, junge Gesicht der deutschen Polizei

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Gewerkschaften: Jochen Kopelke will bundesweit einheitliche Besoldungsstufen für die Polizei durchsetzen.

Jochen Kopelke will bundesweit einheitliche Besoldungsstufen für die Polizei durchsetzen.

(Foto: Ingo Wagner/picture alliance / dpa)

Jochen Kopelke ist jetzt GdP-Vorsitzender - mit gerade einmal 38 Jahren. Ein Nachteil? Ach was, ein absoluter Vorteil, um mal "ordentlich Schwung" in die Gremien zu bringen.

Von Benedikt Peters

Gewerkschaften hängt das Klischee an, ein wenig angestaubt zu sein, was auch mit dem Personal in der ersten Reihe zu tun hat. Beinahe immer sind die Chefs (Chefinnen gibt es bis heute kaum) Mitte 50, Anfang 60, denn es dauert in der Regel lange, bis sich jemand in den komplexen Gefügen der Arbeitnehmervertretungen hochgearbeitet hat. Insofern ist es durchaus bemerkenswert, was sich nun in Berlin zutrug: Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) wählte dort Jochen Kopelke, einen Polizisten aus Bremen, zum Vorsitzenden. Kopelke ist 38 Jahre alt und ginge damit locker durch als Sohn von Jörg Hofmann (IG Metall, 66 Jahre) oder Klaus-Dieter Hommel (EVG, 65), den Chefs anderer Gewerkschaften, mit denen er künftig zu tun hat.

Die Altersfrage ist Kopelke, der 2005 bei der Polizei anfing und sich vom Bereitschaftspolizisten über das Landeskriminalamt bis zum Polizeiführer hocharbeitete, durchaus bewusst. Er wolle "ordentlich Schwung" in die Gremien bringen, in denen er nun sitze, sagt er am Telefon, und er hält es für wichtig, "dass auch mal ein jüngeres Gesicht für die Polizistinnen und Polizisten spricht". Viele von ihnen seien schließlich, so wie er, in der Mitte ihrer Dienstjahre.

Kopelke soll die GdP nach außen wieder präsenter machen

Mit der öffentlichen Wirkung ist es ohnehin so eine Sache bei der GdP, der mit etwa 200 000 Mitgliedern mit Abstand größten Polizeigewerkschaft in Deutschland. Der bisherige Chef Oliver Malchow war wenig präsent, was auch mit einer schweren Krankheit zu tun hat. 2015 wäre Malchow beinahe an einem Herzinfarkt gestorben, er lebt inzwischen mit einem Spenderherzen. Auftritte oder Interviews übernahmen häufig seine Stellvertreter. Von Kopelke erwarten viele Gewerkschafter, dass die GdP nach außen hin wieder stärker wahrgenommen wird.

Ihm ist es durchaus zuzutrauen, dass er reüssiert. Er kennt die Gewerke der GdP gut, war Chef des Bremer Landesbezirks und der dortigen Jugendorganisation. In der Politik gilt er als gut vernetzt, er leitete zuletzt das Büro des Bremer Innensenators Ulrich Mäurer (SPD). Kopelke kann gut erklären, was er als neuer GdP-Chef für die Polizistinnen und Polizisten durchsetzen will. Nehmen wir, zum Beispiel, eine Demo in Sachsen: "Wenn dort Hundertschaften aus verschiedenen Bundesländern zusammenkommen, um die Veranstaltung zu begleiten, machen sie alle die gleiche Arbeit. Sie verdienen aber nicht das gleiche Geld", kritisiert Kopelke. "Wir brauchen bundesweit einheitliche Besoldungsstufen und höhere Zuschläge für die Arbeit nachts und am Wochenende."

Ein Bremer durch und durch

Vereinheitlichen will der neue Chef noch etwas anderes: "Wir brauchen eine gemeinsame Digitalstrategie." Je nach Bundesland und Behörde seien die Beamten unterschiedlich ausgestattet, die einen mit neuen Tablets, die anderen mit Stift und Notizblock. Manche könnten gut von unterwegs arbeiten, andere müssten erst aufs Revier fahren, um dort ihre Berichte zu tippen. Die Polizei, fordert Kopelke, müsse ein attraktiverer Arbeitgeber werden, andernfalls verschärften sich die Personalprobleme. Er höre immer häufiger von Kollegen, die nach ein paar Jahren im Dienst kündigten - auch wenn es dazu keine offiziellen Zahlen gebe. Die Aufarbeitung der Rechtsextremismus-Skandale, die die Polizei in den vergangenen Jahren erschütterten, findet Kopelke wichtig. Sie dürfe aber nicht in pauschale Vorurteile gegen alle Polizisten münden. Für Rassismus sei in seiner Gewerkschaft kein Platz - das zeige der Unvereinbarkeitsbeschluss, den die GdP 2021 verabschiedet hat: AfD-Mitglieder werden seitdem nicht mehr toleriert.

Kopelke ist Bremer durch und durch. Er lebt mit seiner Frau und zwei kleinen Kindern im Stadtteil Findorff und ist Dauerkarteninhaber beim SV Werder, wo er, wie er sagt, in der Halbzeit gerne ein Fischbrötchen isst. Und wie nennt sich wohl ein Polizist aus Bremen bei Twitter und Instagram? Na klar: Hansecop.

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