Japan:Ideenlos

Premierminister Yoshihide Suga steht als Parteichef nicht mehr zur Verfügung. Das ist kein großer Verlust.

Von Thomas Hahn

Japans Premierminister Yoshihide Suga gibt auf. Er tut das auf eine Art, die typisch ist für seine Politik. Zuletzt gab Suga sich noch überzeugt, dass er die Regierungspartei LDP und das Kabinett weiter führen sollte. Nächste Woche wollte er die Parteispitze umbauen. Und jetzt erklärt er plötzlich, dass er bei der Wahl zum LDP-Chef am 29. September nicht antritt. Das Stilmittel des Sinneswandels bemühte Suga auch immer, wenn er den Coronavirus-Notstand verlängerte, den er stets zu optimistisch ansetzte.

Es ist gut, dass Suga geht. Er lässt Japan schon lange alt aussehen. Selbst wenn es darum ging, Tokios Sommerspiele trotz Pandemie umzusetzen, wirkte er dabei nie begeistert von dem großen Fest, sondern eher verbohrt und stur. Seine Coronavirus-Politik ist ideenlos. Und ein großer Staatsmann geht der Weltpolitik auch nicht verloren. Die Themen seiner rechtskonservativen Unterstützer schienen ihm immer näher zu sein als die Sorgen der internationalen Gemeinschaft.

Immerhin, Suga hat das Ziel festgeschrieben, Japan bis 2050 klimaneutral zu machen. Aber selbst damit folgte er ja eher internationalem Standard. Sein Vorgänger Shinzo Abe war immerhin ein kommunikativer Premier. Suga hat selten frei gesprochen. Das Jahr mit ihm war für Japan ein Rückschritt. Und jetzt? Gebraucht wird ein Nachfolger, der das Land aus seiner politischen Lethargie holt, der nicht nur die Gesundheitskrise überwindet, sondern den Menschen wieder eine Freude an der Zukunft vermittelt. Viele Kandidaten, die das können, sind gerade allerdings nicht zu sehen.

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