Israel:Sprengsatz

Generalstabschef Kochavi belehrt die USA und warnt Iran. Das hilft keinem weiter, sondern ist nur dumm und anmaßend.

Von Peter Münch

Generäle sind gemeinhin fürs Handeln und nicht fürs Reden zuständig. Israels Generalstabschef Aviv Kochavi aber hat nun bei einem Konferenzauftritt sehr gezielt einen verbalen Sprengsatz gezündet - und ausgerichtet war er zugleich nach Washington und Teheran. Den US-Präsidenten Joe Biden warnte Kochavi, dass ein neues Atomkommen mit Iran "schlecht und falsch" wäre. Der Führung in Teheran drohte er mit Militärschlägen. Zählt man Warnung und Drohung zusammen, dann ist dies vor allem eines: eine anmaßende Dummheit.

Denn erstens sollte der israelische Armeechef nicht dem Präsidenten der Weltmacht USA erklären, was er zu tun oder zu lassen hat. Diese Debatte kann er getrost den Politikern überlassen. Und zweitens ist dies zum jetzigen Zeitpunkt ohnehin kein Thema für einen öffentlichen Schlagabtausch. Biden ist erst seit ein paar Tagen im Amt und hat nicht einmal die Chance gehabt, über dieses Thema mit seinen Verbündeten, darunter auch Israel, ausführlich zu debattieren.

Wenn Israel - was angesichts des iranischen Drohpotenzials verständlich ist - Einfluss nehmen will auf die anstehenden Verhandlungen über ein neues Nuklearabkommen, dann sollte dies im vertraulichen Austausch geschehen. Auch Premierminister Benjamin Netanjahu sollte aus Erfahrung wissen, dass eine Fundamentalopposition nichts bringt. Wenn es Biden dann am Ende gelingt, ein Abkommen auszuhandeln, das Iran tatsächlich vom Bau der Bombe abhält, dann wird dies die gesamte Welt und damit auch Israel sicherer machen.

© SZ
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