Zieht man den Duden zurate, spricht man von einer Invasion, wenn feindliche militärische Einheiten auf fremdes Staatsgebiet vorrücken. So weit, so eindeutig. Auf die Frage, was eine Invasion von einem „örtlich begrenzten Bodenangriff“ unterscheidet, gibt es zwei Antworten: „Sehr viel“, lautet die eine, „rein gar nichts“, lautet die andere Antwort. Das israelische Militär hat nun nach Wochen der blutigen Eskalation und trotz lautstarker Warnungen aus aller Welt solche „örtlich begrenzte und gezielte Bodenangriffe“ im Süden Libanons begonnen. Im Statement der Streitkräfte heißt es weiter, diese Angriffe gründeten auf präzisen Geheimdienstinformationen über die Infrastruktur der Hisbollah und beträfen Dörfer in Grenznähe. Kann man „Bodenangriff“ schlicht als Synonym für „Invasion“ verwenden? Es ist nicht das erste Mal, dass in Kriegen der jüngeren Vergangenheit eine Formulierung verwendet wird, die das tatsächliche (oder symbolische, grenzüberschreitende) Ausmaß der Handlungen oder die Motive des handelnden Akteurs beschönigen oder verkleiden soll. Wenn aber Synonyme verhüllen und verharmlosen, sind sie keine mehr. Dann sind sie Euphemismen.
Aktuelles LexikonBegrenzte Bodenangriffe
Was Israels Vorrücken nach Libanon von einer Invasion unterscheidet? Ist Ansichtssache – oder aber es handelt sich schlicht um einen Euphemismus.
Von Gökalp Babayiğit
