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Israel:Bewährungsprobe

Schlittern Israel und die Hamas im Gazastreifen bereits in den nächsten Kurzkrieg? Wohl eher nicht, denn für beide Seiten steht zu viel auf dem Spiel.

Von Thorsten Schmitz

Gerade mal drei Tage alt ist Israels neue Regierung - und schon scheint die Aufbruchstimmung nach der historischen Abwahl von Premier Benjamin Netanjahu verpufft zu sein. Aus dem Gazastreifen senden Hamas-Terroristen Brandballons nach Israel, Israels Armee bombardiert Ziele im Gazastreifen. Der provozierende Marsch Tausender israelischer Ultranationalisten durch Jerusalems Altstadt hat eine Eskalationsspirale in Gang gesetzt.

Trotzdem wird es eher nicht zu einem neuen Kurzzeitkrieg kommen wie Anfang Mai. Israels neuer Premier Naftali Bennett lehnt zwar einen eigenen Staat für die Palästinenser ab und ist für den Ausbau jüdischer Siedlungen im Westjordanland. Aber er regiert nicht alleine - zum Glück, mit dabei sind auch Linke und eine arabische Partei. Seine Regierung ist so divers wie keine zuvor in Israels Geschichte, darin liegt ihre Stärke. Einen neuen Krieg gegen die Hamas-Terroristen kann und wird Bennett nicht vom Zaun brechen, seine hauchdünne Parlamentsmehrheit wäre in Gefahr.

Deeskalation scheint (noch) die Prämisse der frischen Regierung zu sein. Anstatt aufheizender Rhetorik à la Netanjahu twittert Außenminister Yair Lapid, für ihn sei es unbegreiflich, wie jemand eine Israel-Flagge schwenken und gleichzeitig "Tod den Arabern" brüllen könne. Das sind neue Töne einer israelischen Regierung, Töne, die hoffen lassen.

Und wird die Hamas den Brandballons Raketen folgen lassen? Wohl kaum. Mindestens 250 Palästinenser sind im jüngsten Konflikt im Gazastreifen getötet worden und 13 Israelis, im Gazastreifen sind 16 000 Wohnungen zerstört worden. Der Wiederaufbau dort hat noch nicht mal begonnen, die Hamas wird sich hüten, wieder einen Konflikt anzuzetteln. Womöglich bleibt es diesmal also beim Scharmützel - womit Bennetts Regierung die erste Bewährungsprobe bestanden hätte.

© SZ
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