Gazastreifen:Welch ein Ritual

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Auch zum Jahreswechsel zeigt sich: Rund um das Gebiet versagt jede Diplomatie.

Von Peter Münch

Rund um den Gazastreifen hat sich ein seltsames, ja perverses Ritual entwickelt: das Ritual der Raketen. Die Hamas oder eine der anderen radikalen Palästinensergruppen feuert in Richtung Israel, Israels Armee feuert zurück, so auch jetzt zum Jahreswechsel wieder. Die Gefahr einer Eskalation ist stets gegeben, aber die Schäden bleiben meist begrenzt. Es geht um Warnungen, Druck und Drohungen. Doch Schaden nimmt in jedem Fall die Hoffnung, dass sich in diesem ewigen Konflikt ein Ausweg finden lässt.

Die Kontrahenten und mit ihnen die Welt ringsherum scheinen sich daran gewöhnt zu haben, dass sich die Spannung rund um den abgeriegelten Küstenstreifen, in dem zwei Millionen Palästinenser unter elendsten Bedingungen leben, regelmäßig entladen muss. Ganz so, als ginge es um Tektonik und nicht um Politik. Doch die Beben rund um Gaza sind keine Naturkatastrophen, sondern sie verweisen auf das Versagen jeglicher Diplomatie.

Hauptverantwortlich sind natürlich die beiden Kontrahenten Israel und die Hamas selbst. Sie haben sich so felsenfest eingemauert in ihrem Konflikt, dass selbst vier Kriege seit 2009 kein Jota an den Grundbedingungen geändert haben. Dieser Status quo sichert der Hamas die Herrschaft in Gaza - und Israels Führung befreit er davon, ein Konzept zu entwickeln, wie man langfristig mit diesem brodelnden Landstrich umgehen soll.

Das Versagen trifft aber auch die internationale Gemeinschaft, allen voran die USA und die Europäer, die sich durch ein selbstauferlegtes Kontaktverbot zur Hamas jeglicher Vermittlungsmöglichkeit entheben. Stattdessen richtet man die Reste der Aufmerksamkeit für diesen nahöstlichen Dauerkonflikt allein auf den "Friedensprozess" zwischen den Israelis und der im Westjordanland regierenden Palästinensischen Autonomiebehörde von Präsident Mahmud Abbas. Dabei sind die Gespräche auch schon seit 2014 festgefahren. Im Schatten dieser Show-Diplomatie fliegen ungehindert die Raketen.

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