Süddeutsche Zeitung

Infektionsschutzgesetz:Und wieder die Kinder

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Erwachsene dürfen nach fünf Tagen Isolation einfach zurück an ihren Arbeitsplatz. Umso unverständlicher ist es, dass Kinder und Jugendliche nach überstandener Corona-Infektion erst einen negativen Test vorlegen müssen, bevor sie wieder zur Schule gehen dürfen.

Kommentar von Christina Berndt

Als die ersten Wellen der Corona-Pandemie über Europa schwappten, errichteten manche Länder einen Damm gegen die Infektionen, indem sie die Firmen und ihre Angestellten zum Home-Office zwangen. In Deutschland hingegen entschied man sich, als Erstes mal die Schüler und Schülerinnen zum Homeschooling zu zwingen. Lange blieb die Diskrepanz, welchen Einschränkungen und Bestimmungen sich Kinder und Erwachsene in der Pandemie unterwerfen mussten, eklatant. Erst als sich herauskristallisierte, wie schwer die Folgen der Pandemie und insbesondere der Schul- und Kitaschließungen für Kinder und Jugendliche wiegen, war von Staatskanzleien, Kultusministerien und Kanzlerkandidaten immer lauter zu vernehmen, dass Schulschließungen in der nächsten Welle aber unbedingt zu vermeiden seien und die Rechte der Kinder auf Bildung und Teilhabe höchste Priorität haben sollten.

Für Erwachsene gibt es eine freundliche Empfehlung, für Kinder eine Vorschrift

Doch trotz aller Beteuerungen, Kinder und Jugendliche künftig nicht mehr schlechterzustellen als Erwachsene, tut das neue Infektionsschutzgesetz genau dies. Das Gesetz, das an diesem Freitag den Bundesrat passieren und von Oktober an gelten soll, sieht vor, dass Kinder nach überstandener Covid-19-Erkrankung nur dann wieder Schule oder Kita besuchen dürfen, wenn sie ein negatives Testergebnis vorlegen können. Erwachsene hingegen dürfen nach fünf Tagen Isolation ohne Auflagen wieder zur Arbeit gehen, das Robert-Koch-Institut empfiehlt nur freundlich, die Selbstisolation aufrechtzuerhalten, bis ein Antigenschnelltest negativ ist.

Damit haben Kinder und Jugendliche also erneut das Nachsehen, wenn es darum geht, am Leben teilhaben zu dürfen. Die Ungleichbehandlung ist eklatant und unverständlich. Dass die Wirtschaft funktioniert und gesundete Menschen unkompliziert ihre Arbeit wieder aufnehmen dürfen, ist zweifelsohne wichtig. Dass Kinder genauso zur Schule gehen können, auch.

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