Corona:Druck tut not, um Impfmuffel zu überzeugen

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(Foto: imago; Bearbeitung SZ)

Endlich sind in Deutschland ausreichend Vakzine vorhanden. Warum also sollten Corona-Tests weiterhin gratis zur Verfügung stehen?

Kommentar von Alexandra Föderl-Schmid

Lange hat es gedauert, aber endlich ist es so weit: Es ist in Deutschland genug Impfstoff gegen das Coronavirus vorhanden, sodass für alle, die geimpft werden können, ein Angebot zur Verfügung steht. Jetzt kann tatsächlich umgesetzt werden, was den wirksamsten Weg aus der Pandemie weist: impfen, impfen, impfen.

Aber viele scheuen vor einer Impfung zurück - aus Angst, Trägheit, Unwissenheit oder anderen Gründen. Die Zahl der Erstimpfungen ist in den vergangenen Wochen rapide gesunken und hat den niedrigsten Wert seit Februar erreicht. Das ist alarmierend. Rund 41 Millionen Deutsche sind bisher vollständig geimpft, weitere 9,5 Millionen haben zumindest ihre erste Spritze erhalten. Um eine Herdenimmunität zu erreichen, müssten nach Angaben von Epidemiologen mindestens 85 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft sein. Es müssen also noch etwa 20 Millionen Menschen überzeugt werden, am besten mit Anreizen - oder eben finanziellen Verpflichtungen.

Da nun ausreichend Vakzine vorhanden sind, ist es nicht einzusehen, dass Schnelltests weiterhin gratis zur Verfügung stehen. Testen war der zweitbeste Weg, solange nicht genügend Impfstoff vorrätig war, um zumindest die Verbreitung des Virus einzudämmen. Wer als Ungeimpfter ins Restaurant will, zum Shoppen oder zu einer Veranstaltung, der sollte für die oft notwendigen Tests zur Kasse gebeten werden.

Wer sich impfen lässt, schützt sich und andere. Warum sollte die Solidargemeinschaft Kosten für Impfverweigerer übernehmen, die mit ihrem Verhalten sich und andere gefährden? In den vergangenen Monaten hat der Staat Millionen für Tests ausgegeben. Ein Schnelltest kostet 12,50 und ein PCR-Test 35 Euro. Die individuelle Übernahme der Kosten ist nicht nur zumutbar, sondern geboten.

Dass solche Maßnahmen wirken, zeigt sich derzeit in Frankreich

Klar, es muss Ausnahmen geben: Für Kinder, Schwangere und all jene, die etwa wegen Vorerkrankungen nicht geimpft werden können. Auch Geimpfte, die Symptome verspüren oder Kontakt zu Infizierten hatten, sollten weiter Tests kostenlos in Anspruch nehmen dürfen.

Ja, damit wird Druck aufgebaut, sich impfen zu lassen. Dass diese Maßnahme wirkt, zeigt sich in Frankreich, wo Besuche in Restaurants oder Kinos nur noch für Geimpfte, Genesene oder Menschen, die einen negativen Test vorlegen können, möglich sind. Nach der Ankündigung von Präsident Emmanuel Macron, die Kostenerstattung für Tests ab September aufzuheben, meldeten sich 2,2 Millionen Franzosen zur Impfung an.

Wer eine Impfung verweigert, sollte weniger Freiheiten bekommen und höhere Kosten tragen - denn er oder sie geht auch ein höheres Risiko ein, selbst zu erkranken oder andere anzustecken. Und für diese Kosten muss dann auf jeden Fall die Solidargemeinschaft aufkommen. Das Ende der Gratistests ist eine Art Anreiz, Impfmuffel zu überzeugen. Und es ist ein gelinderes Mittel als Zwangsmaßnahmen. Wenn manche schon nicht mit rationalen Argumenten zu erreichen sind, dann vielleicht über die Geldbörse. Denn Impfungen gibt es gratis.

Jedem muss klar sein: Je mehr Menschen geimpft sind, desto weniger Infektionen, Krankenhauseinweisungen und Tote wird es geben und desto geringer wird die Gefahr, dass Deutschland in einen erneuten Lockdown steuert. So ist das in der Pandemie: Es kommt auf jeden Einzelnen, jede Einzelne an.

© SZ/fzg
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