Saarland:Der grüne Trickser

Wem ist Hubert Ulrich noch ein Begriff? Hier sein neuestes Manöver - um in den Bundestag zu kommen.

Von Constanze von Bullion

Bei Berliner Spitzengrünen gilt er als Nervensäge, an der Saar wird er zum wiederkehrenden Albtraum. Hubert Ulrich, ehemaliger Grünen-Chef im Saarland, ist zweimal mit seiner Partei aus dem Landtag geflogen, hat mehrmals alle politischen Ämter niedergelegt, auch wegen einer Dienstwagenaffäre. Nun will er in den Bundestag. Die Grünen sollten das verhindern.

Denn Ulrich hat sich den Spitzenplatz auf der Saar-Liste ergattert, indem er das grüne Frauenstatut ausmanövrieren ließ. Es sieht vor, dass der erste Listenplatz an eine Frau geht. Nur im Saarland, wo sich das Patriarchat offenbar besonderer Ausdauer erfreut, schaffen die Grünen es seit Jahren nicht, eine Frau auf dem einzig sicheren Listenplatz in den Bundestag zu schicken. Weil Männer sich vordrängeln. Und weil Frauen sie lassen.

Zwei Bewerberinnen wurden auf dem Parteitag niedergestimmt, bevor Hubert Ulrich antrat. Er mag sich darauf berufen, dass weibliche Delegierte befragt wurden, ob ein Mann antreten darf. Die Sache aber war inszeniert. Im Jahr der Baerbock-Kandidatur wird dort signalisiert, dass Frauen an der Spitze eben doch verzichtbar sind. Gelingt es den Grünen nicht, das zu korrigieren, sollten die Saar-Wählerinnen das bei der Bundestagswahl tun. Männer, die sich zu wichtig nehmen, hat das Land genug.

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