Gasversorgung:Das Büro bleibt kalt

Lesezeit: 1 min

Arbeit im Homeoffice

Ab ins Home-Office: Der FDP-Wirtschaftsminister will dadurch Gas sparen - in den Büros, nicht daheim.

(Foto: Maskot via www.imago-images.de/imago images/MASKOT)

Arbeiten im Home-Office, damit die Unternehmen weniger heizen müssen? Dieser Vorschlag kommt aus NRW. Was für eine Unverschämtheit.

Kommentar von Angelika Slavik

Eine kleine Freundlichkeit am Anfang: Es ist gut, wenn in Krisenzeiten auch mal unkonventionell gedacht wird. Leider ist das schon alles, was man nun Nettes sagen kann über die jüngste Idee des nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministers Andreas Pinkwart. Der FDP-Politiker schlägt vor, im Herbst die Beschäftigten wieder ins Home-Office zu schicken, damit in den Büros weniger geheizt werden müsse. So soll der Gasverbrauch sinken. Es ist schwer vorstellbar, dass Pinkwart wirklich nicht erkennt, wie zynisch das ist.

Abgesehen davon, dass man zumindest hinterfragen muss, ob die Rechnung von der großen Einsparung am Ende wirklich aufgehen würde, muss man festhalten: Die finanzielle Belastung wanderte damit von den Firmen zu deren Angestellten. Die, so stellt sich Pinkwart das vor, bei Bedarf ihre Heimbüros mit Elektroheizungen wärmen sollten. Das wird nicht günstig.

In der Politik ist in Ausnahmesituationen die Versuchung groß, Entwicklungen herbeizuführen, die man ohnehin immer schon wollte - stets mit dem Verweis auf die leider, leider schwierige aktuelle Lage. Nun ist die Situation mit dem Krieg in der Ukraine und der unsicheren Gasversorgung ohne Zweifel eine kaum fassbare Krise. Umso größer ist die Verpflichtung, die Lage nicht gleich für andere Vorhaben zu nutzen, wie etwa die Kosten für Arbeitsinfrastruktur dauerhaft von Firmen zu Mitarbeitern zu verlagern. Die Corona-Krise hat das vielen Unternehmen schmackhaft gemacht: Weniger heizen, kleinere Büroflächen, für die Arbeitgeber ist das ein guter Deal. Für die Mitarbeiter meistens nicht.

Pinkwart ist auch nicht der Einzige, der in diesen Tagen mit zweifelhaften Vorschlägen auffällt. Aus der Tourismusbranche kam der Vorschlag, Senioren über den Winter in die Türkei auszulagern, mit staatlicher Förderung, versteht sich. Würde ja den Gasverbrauch senken!

Große Probleme brauchen große und, ja: vielleicht auch unkonventionelle Lösungen. Eine Ausrede für undurchdachte und ungerechte Maßnahmen dürfen sie aber nicht sein.

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