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Baerbock als Kanzlerkandidatin:Sie kann, wenn sie will

Baden-Wurttemberg and Rhineland-Palatinate state elections, in Berlin

Zwischen Ostern und Pfingsten soll entschieden werden, ob Annelena Baerbock Kanzlerkandidatin der Grünen wird.

(Foto: REUTERS)

Annalena Baerbock ist robust und sicher im Stoff. Deshalb wäre sie die beste Kanzlerkandidatin der Grünen. Und für einen Rückzug ohne Schaden wäre es auch schon zu spät.

Kommentar von Constanze von Bullion

Wie auf einer verklebten Zahnpastatube wird jetzt auf den Grünen herumgedrückt. Los, raus mit der Sprache, sagt doch endlich, wer die Kanzlerkandidatur übernimmt - so geht das jetzt in jeder Talkshow, bei jeder Pressekonferenz, immerfort. Soll Annalena Baerbock antreten? Oder lieber Robert Habeck? So als könne nicht jeder hören und sehen, dass es sowieso kein Zurück mehr gibt in der grünen K-Frage. Baerbock muss ran. Jedenfalls wenn die Grünen sich nicht auslachen lassen wollen.

Dabei stimmt schon, was die Parteivorsitzenden jetzt bei jeder Gelegenheit herunterbeten: Entschieden wird zwischen Ostern und Pfingsten, und zwar zu zweit. Und ja, es geht da um mehr als die Frage des Geschlechts. Frau oder Mann, das sei nicht das einzige Kriterium beim grünen Marsch aufs Kanzleramt, sagte Robert Habeck am Sonntag in einer Talkshow. Dann schob er noch einen Satz hinterher: Wenn Baerbock "als Frau" sagen würde, sie wolle die Spitzenkandidatur, dann habe sie diese, "natürlich".

Bei den Grünen haben Frauen in der Regel den ersten Zugriff auf eine Position

Von fern mag das nach einer großzügigen Geste aussehen. So nach dem Motto: Wenn sie möchte, dann bitte sehr. Tatsächlich aber hat Habeck nur vorgetragen, was Usus bei den Grünen ist. Frauen haben in der Regel den ersten Zugriff auf Führungsposten, ihnen steht der jeweils erste Listenplatz zu, und wenn sich in einer Debatte keine Frau mehr zu Wort meldet, haben auch die Männer zu schweigen. Das kürzt manches längliche Palaver ab.

Nur - lässt sich die grüne Frauenquote einfach auf den Kampf ums Kanzleramt übertragen? Sicher nicht. Die Grünen wissen, dass es mehr abzuwägen gilt als die Geschlechterfrage - und Habeck weiß, dass Baerbock es weiß. Seine Bemerkung, die Kollegin könne den grünen Spitzenposten "als Frau" natürlich haben, kann man auch als vergiftetes Geschenk verstehen. Denn es steckt darin der zarte Hinweis, dass andere Güter schwerer wiegen könnten, womöglich solche, über die Habeck verfügt.

Aber welche Qualitäten sind da eigentlich genau gemeint? Robert Habeck ist ein begabter Kopf, keine Frage. Die Art seines Auftretens ist ungewöhnlich, auch mutig, weil es ohne männlichen Überlegenheitsgestus auskommt, auch in den Runden der Mächtigen. Habeck ist intellektueller als Baerbock, manche seiner Reden haben mehr Tiefgang, auch interessantere Zwischentöne als ihre. Das weckt Erwartungen. Nur dass Habeck sie eben gern mal selbst zunichtemacht.

Mal fehlte dem Grünen-Chef der Text zur Pendlerpauschale, mal zur Finanzaufsichtsbehörde oder zu Julian Assange. Bisweilen hält das Publikum jetzt schon die Luft an, wenn Habeck - wie am Montag geschehen - versucht, die Impfregelung für Hausärzte zu erklären. Es droht Verzettelung. Das kann man sympathisch ungekünstelt finden. Vertrauen bei Parteifremden weckt es nicht, zumal bei der Bewerbung ums höchste Regierungsamt.

Annalena Baerbock ist die bessere Kandidatin, weil sie sich selbst mehr abverlangt und deshalb sicherer im Stoff ist. Ihr fehlt Regierungserfahrung, das ist ein Malus. Dafür strahlt sie dieses robuste "Ich will" aus, das Habeck abgeht. Im Bundestagswahlkampf, der hart und schmutzig wird, dürften Nervenstärke und Biss mehr Nutzen bringen als Habecks ehrliche Verwundbarkeit. Und wenn Baerbock am Ende ablehnt, weil ihr die Nummer zu groß wird? Dann macht sich das ganze Land über die Grünen lustig, zu Recht. Nach so viel Tamtam ist es für einen Rückzug ohne Schaden zu spät.

© SZ/kia
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Von Constanze von Bullion, Berlin

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