Geschichtsbild:Wahltage in Großbritannien

Am 25. Oktober 1951 machte sich Premierminister Clement Attlee mit seiner Familie wohlgelaunt auf den Weg ins Wahllokal. Und dann verlor er an diesem Tag sein Amt. (Foto: IMAGO/Reuterphoto/IMAGO/SuperStock)

Keir Starmer will anders sein als alle anderen Premierminister der Labour-Partei. Doch was wäre er ohne einen seiner Vorgänger, Premierminister Clement Attlee, der 1945 Winston Churchill besiegte. Und 1951 gegen eben jenen verlor.

Von Michael Neudecker

„Polling Day“, das ist der Tag, für den Politiker leben. Der Wahltag, an dem alles, was Politiker tun, dem ultimativen Test unterzogen wird, der Zustimmung oder Ablehnung durch den Wähler. Allerdings ist der Wähler oder die Wählerin unberechenbar, Überraschungen gab es auch im Vereinigten Königreich immer wieder. Labour-Premierminister Clement Attlee, der hier im Bild mit seiner Frau und zwei seiner Töchter zur Abstimmung in Westminster am Morgen des 25. Oktober 1951 geht, verlor die Wahl damals gegen seinen Vorgänger Winston Churchill knapp. Dabei hatte Attlee in sechs Jahren das Land reformiert wie wohl niemand vor und nach ihm; unter anderem erfand Attlees Regierung den Gesundheitsdienst NHS. 1945 war seine Mehrheit gegen Churchill noch überwältigend gewesen – ein noch besseres Ergebnis erreichte seit dem Zweiten Weltkrieg nur Tony Blair für Labour 1997. Keir Starmer, der aktuelle Labour-Chef, betont oft, dass er sich zwar inspirieren lasse von seinen Vorgängern, aber anders sein wolle als alle anderen Labour-Premierminister. Zumindest in einer Hinsicht gelang ihm das nun schon: Keiner seiner Vorgänger hat innerhalb von fünf Jahren aus einer derart hohen Niederlage, wie sie Labour 2019 unter Jeremy Corbyn erlitt, einen so deutlichen Sieg gemacht wie Keir Starmer im Juli 2024.

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